Dublin hat zwar noch mehr zu bieten als gewöhnungsbedürftiges Bier und unzählige Pubs, in denen die Ballade von Molly Malone… einer schönen Dubliner Fischhändlerin, die in jungen Jahren gestorben ist… immer wieder gesungen wird, aber auf uns hat gerade dieses lustige Treiben in den Pubs die nachhaltigste Wirkung hinterlassen… und damit ist nicht ein schwerer Kopf gemeint :-).
Mein (Edith´s) jährlicher Städtetrip mit meiner langjährigen (42 Jahre!!) Freundin Annemarie führte mich dieses Jahr in die irische Hauptstadt Dublin, die ca. 500.000 Einwohner hat. Durch den bei unserer Abreise noch sehr heißen Sommer in Bayern, war die deutlich kühlere Luft in Dublin und der frische Wind für uns zunächst schon etwas gewöhnungsbedürftig. Aber wir hatten uns kleidertechnisch sehr gut darauf eingestellt und konnten dem Wetter so sogar etwas Gutes abgewinnen. Lange Fußmärsche sind in kühler Luft definitiv besser zu ertragen als bei Hitze und geregnet hat es während unseres Besuchs nur einmal in unseren 3 Tagen, für irische Verhältnisse war es also schon echt hochsommerlich.
Die Fahrt vom Flughafen mit dem Flughafenbus verlief absolut problemlos. Für 10 € hin und zurück fährt der Bus mit ausreichenden Stopps in ca. 30 Minuten in die Innenstadt. Soger Internetzugang wird in diesen Bussen kostenlos zur Verfügung gestellt. Überhaupt, was den kostenlosen Internetzugang in der Öffentlichkeit anbelangt, sind die Iren, zumindest in Dublin, besser aufgestellt als wir in Deutschland. In vielen Einkaufszentren oder sogar in Pubs erhält man WLAN for free.
Unser Hotel St. George ist ein reizendes kleines, frisch renoviertes Hotel am nördlichen Ende der Stadtmitte, von dem aus wir alles erreichen konnten. Der Bereich „Temple Bar“, in dem das bunteste Treiben herrscht und eine Vielzahl von allerlei Geschäften, Pubs und Bars angesiedelt ist, ist von hier aus in kürzester Zeit erlaufen und noch eine weitere Vielzahl von weiteren Sehenswürdigkeiten ebenso.
An unserem ersten Abend besuchten wir gleich zielsicher das älteste Pub nicht nur von Dublin, sondern auch von ganz Irland, das Brazen Head, gegründet im Jahr 1198. Dieses Pub liegt schon etwas außerhalb der Stadtmitte und nur Dank eines guten Stadtplans, der geduldigen Führung von Annemarie und unseren belastbaren Füßen standen wir den Marsch dorthin auch durch. Aber: es hat sich absolut gelohnt! Es gab nicht nur Guiness, ab 21.30 Uhr wurde hier live irische Folklore gespielt, sehr authentisch, trotz der auch hier überall gehuldigten Molly Malone.
Dieses irische Volkslied, das bei uns durch die Version der Band Dubliners bekannt wurde und so etwas wie die inoffizielle Hymne Dublins ist, wird immer wieder von den jeweiligen Sängern in den verschiedenen Pubs neu interpretiert und klingt dadurch immer wieder auch ein klein wenig anders. Gefallen hat uns, dass die irische Musik sowohl fröhlich sein kann als auch melancholisch, temperamentvoll und leidenschaftlich, als auch ruhig und träumerisch. Wir wurden wirklich hervorragend unterhalten.
Dieser Molly Malone wurde auch ein Denkmal errichtet, „The Tart with the Cart“ wie die Statue von den Einwohner genannt wird und was so viel bedeutet wie „ das Flittchen mit dem Karren“. Angeblich hat diese Molly auch nach ihrem frühen Tod den Karren mit Herz- und Miesmuscheln noch durch die Straßen geschoben. Heute wird an sie mit einer schönen, zentral liegenden Bronzestatue erinnert, die wirklich sehenswert ist.
Genug zur armen Molly Malone.
Da der fast schon erwartete und befürchtete Kater nach dem doch ungewohnten und für unsere Verhältnisse doch reichlich getrunkenen Guiness am nächsten Morgen ausblieb, erkundeten wir die Stadt mit einer Tour in einem der unzähligen Sightseeing-Busse. Überhaupt prägen die Busse den Straßenverkehr in Dublin. Die Straßenbahn Luas verfügt über nur zwei Routen, die Red Line und die Green Line, und daher wird der überwältigende Teil des Personennahverkehrs mit Bussen abgewickelt. Der für uns ungewohnte Linksverkehr und die immer wieder aus dem Nichts auftauchenden Busse forderten unsere Aufmerksamkeit beim Überqueren von Straßen schon sehr.
Unser erster Stopp war das Trinity-College, eine der führenden Universitäten Europas, das durchaus mit Cambridge und Oxford in England auf eine Stufe gestellt werden kann. Die Hauptattraktion ist die 1732 gebaute Alte Bibliothek, in der neben 200.000 alten Texten das berühmte Book of Kells, aber auch die älteste Harfe Irlands aufbewahrt werden. Das Buch von Kells enthält eine reich verzierte Abschrift des lateinischen Textes der vier Evangelien und wurde von Mönchen wahrscheinlich Anfang des 9. Jahrhunderts hergestellt. Es gilt als schönstes Buch der Welt. Wir konnten zwei Seiten davon ausgestellt in einer Glasvitrine bewundern. Ob es nun das schönste Buch der Welt ist, kann ich nicht beurteilen, aber es ist schon beeindruckend, so ein altes, gut erhaltenes und reich verziertes Buch zu Gesicht zu bekommen.
Spektakulär ist der Long Room – ein fast 65 Meter langer und 12 Meter hoher Raum, in dem die wertvollsten Bücher aufbewahrt werden. Eintritt kostete 10 € pro Person und die Warteschlangen davor hielten sich in Grenzen.
Etwas weniger kulturell war unser nächster Stopp beim Guiness-Storehouse :-).
Eintritt hier 18 € pro Person und endlose Warteschlangen. Ich kann jedem, der diese wirklich empfehlenswerte Sehenswürdigkeit besuchen will, empfehlen, die Tickets schon online vorzubestellen. Dadurch kann man sich viel Wartezeit ersparen. Noch ein Tipp: wenn die Warteschlange außen überstanden ist, erwartet einem im Inneren des Gewölbes die nächste Schlange, die von außen nicht einsehbar ist. Das sollte man berücksichtigen, sofern man den Wunsch hat, mehr über Guiness zu erfahren. Da uns die Warterei doch etwas genervt hat, fuhren wir gleich im gläsernen Aufzug in den 7. Stock, in die Gravity-Bar. Dort wurde ein Pint of Guiness frei für jeden Besucher ausgeschenkt und zusätzlich wurden wir mit einem wunderbaren 360 ° Panoramablick über ganz Dublin belohnt.
Etwas besänftigt fuhren wir dann wieder abwärts in den 1. Stock, holten uns einen Audio-Guide und ließen uns alles erklären, was man so über Guiness wissen muss. Angefangen mit Geschichte von Arthur Guinness bis hin zum Herstellungsprozess und den Vertriebswegen. Werbung für das Bier kommt hier nicht zu kurz, aber sie ist auch kurzweilig und interessant gestaltet. Übrigens, für den, den es interessiert: Guiness ist deswegen so dunkel, weil die Gerste geröstet wird.
Dieser Arthur Guiness war ziemlich ausgefuchst und auch ziemlich optimistisch. Er pachtete in jungen Jahren eine Brauerei direkt in Dublin und schloss einen Pachtvertrag für 9000 Jahre mit einem jährlichen Pachtzins von £45. Die nächste Mieterhöhung steht demnach für das Jahr 10759 an. Nicht schlecht, wie ich finde. Er war nicht nur geschäftlich sehr aktiv, auf einem anderen Tätigkeitsgebiet ebenso. Er bekam 21 Kinder und bis heute sind noch 51 % des Unternehmens in Familienbesitz.
Jedes Jahr am 27. September feiert man in Irland den Arthur’s Day. Dieser Tag ist nach dem St. Patrick’s Day eines der wichtigsten Ereignisse in Irland. Arthur Guiness war nicht nur ein guter Bierbrauer, er war auch ein fortschrittlicher Unternehmer, der seinen Arbeitern z.B. kostenlose Krankenversicherung bot, günstige Wohnungen und daher heute noch in ganz Irland verehrt wird.
Für diesen Besuch im Storehouse sollte man unbedingt 2-3 Stunden einplanen, da auf den verschiedenen Etagen auch noch allerhand Unterhaltung und natürlich, jeder darf jetzt raten 🙂 , Guiness angeboten wird.
Im Bezirk Temple Bar in verschiedenen Pubs ließen wir den Tag ausklingen, bei Musik und natürlich wieder bei Giuness. Wer sich jetzt fragt, ob nicht auch anderes Bier oder andere Getränke ausgeschenkt werden, den kann ich beruhigen. So viele Biersorten wie in den Dubliner Pubs hab ich noch nirgends gesehen. Aber wir waren der Ansicht, wenn schon, denn schon. Wenn schon Irland, dann auch Guiness. Und man gewöhnt sich daran 🙂 .
Der Samstag verlief ähnlich, außer dass wir nun nur zu Fuß unterwegs waren, weil durch einen Protestmarsch in der Innenstadt die Busse nur mehr sehr beschränkt fuhren. Sehenswert ist St. Patricks Cathedral, Irlands größte Kirche. Jonathan Swift, der Autor von Gullivers Reisen, war lange Zeit dort Dekan und wurde auch dort begraben.
Die O’Connell Street, ein mehrspuriger Boulevard, und die dazugehörenden Seitenstraßen laden sehr zum Bummeln ein, nicht nur uns. Wir waren sehr überrascht über die Menschenmassen, die hier unterwegs waren. Wir fühlten uns wie am Marienplatz in München zur besten Einkaufszeit. An vielen Ecken unterhalten Straßenmusiker die vorbeiziehenden Menschen und die Zeit vergeht wie im Flug, vor allem, wenn man dann doch Stopp macht in einem der unzähligen Kaufhäuser.
Im Zentrum dieses Boulevards steht Europas höchste Skulptur und angeblich auch der Welt. Unglaubliche 123 m reckt sich „The Spire“, zu deutsch „Die Spitze“, in den Himmel. Die Spitze ist bei Dunkelheit beleuchtet und kann bis ins Dubliner Umland wahrgenommen werden.
Nach einem letzten Besuch in einem Pub, in dem Tänzer uns mit dem „Irish Dance“ (eine Art Countrytanz, bekannt bei uns vor allem durch Michael Flatley) zum Staunen brachten, ging am nächsten Tag die Reise wieder zurück nach München.
Unser Fazit: ein Besuch in Dublin lohnt sich, wenn man ein bisschen Kultur, ein bisschen bummeln und vor allem gute Unterhaltung am Abend schätzt. Uns beiden hat es sehr gut gefallen.

Da bekommt man doch gleich wieder fernweh….
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