Neapel, die verkannte Schönheit

Ich, dieses Mal Edith :-),  liebe Italien. Das Land, die Städte, die Stimmung, die Menschen und die Sprache. Italienisch ist für mich die schönste und bunteste Sprache, die ich mir vorstellen kann. Viele Jahre lerne ich schon und nach langer Zeit habe ich mal wieder einen Sprachkurs in Italien belegt; dieses Mal in Neapel und dieses Mal auch alleine. In den früheren Jahren war ich mit meiner Tochter Nadja unterwegs, die sich aber jetzt um ihre Familie kümmert.

Viele meiner Freunde waren erstaunt, wie ich denn gerade in eine so „gefährliche“ Stadt alleine reisen könnte. Trotz aller Unkenrufe und Warnungen buchte ich einen Sprachkurs im Centro Italiano und ein Appartment ganz in der Nähe über AirBnb. Am Samstag, 10.März, startete ich dann Richtig Neapel. Ein wenig mulmig war mir schon, aber insgesamt überwog die Vorfreude.

Um 17 Uhr landete ich am Flughafen Capodichino, von wo aus ich mit dem Alibus ins nur 6 km entfernte Zentrum fuhr. Das nächste Mal, und ein nächstes Mal wird es mit Sicherheit geben, würde ich allerdings mit einem Taxi ins Zentrum fahren. Das Busticket ist zwar mit 5 € unschlagbar günstig, aber dafür war es eine ganz schöne Schlepperei mit meinem Koffer von der Piazza Garibaldi, der Station im Zentrum, zu meinem Appartment. Ein Taxi hätte ca. 20 € gekostet. Das gönne ich mir beim nächsten Mal.

Mein Orientierungssinn ist nicht dafür bekannt, dass er gut ausgeprägt ist und so musste ich schon ein paar Irrwege laufen, bis ich endlich mein Appartment erreichte. Largo Santa Maria la Nova, 19. Eine klangvolle Adresse, aber ein winziges Gässchen. Hätte mein Vermieter Antonio mich nicht auf der Straße erwartet, würde ich vermutlich heute noch umherirren :-).

Das Appartment war zauberhaft. Ich fühlte mich sofort wohl. Leider habe ich nur diese Bilder, ein Stockwerk höher war noch der Schlafraum.

Und auch die Außenansicht des Hauses war so herrlich typisch italienisch

Antonio machte mir dann noch viele Vorschläge für Unternehmungen in Neapel und bot mir an, mit mir und anderen 3 Gästen am Sonntag eine Fahrt an die Amalfiküste zu unternehmen. Gesagt, getan, am Sonntag um 9 Uhr wurde ich abgeholt und dann machten wir einen wunderschönen Ausflug an die zauberhafte Amalfiküste. Ich kenne Italien im Prinzip besser als Deutschland, aber an der Amalfiküste war ich noch nie. Es war einfach nur schön, mehr kann ich dazu nicht sagen. Diese Stimmung, dieser Flair und dieser Aperol Spriz 🙂  Vllt. vermitteln die Bilder etwas von meinen Eindrücken.

Am Montagmorgen um 9 Uhr ging es dann zur Schule. Ich kam mir vor, wie ein nervöses kleines Schulmädchen zu Beginn eines Schuljahres. Das Geniale an meiner Wohnung war unter anderem, das sie gerade mal ca. 100 m von der Schule entfernt lag. Erstaunt war ich über den Andrang in der Schule. Dachte ich zuvor noch, dass vielleicht nur ein paar wenige Schüler um diese Jahreszeit die Schule besuchen würden, war ich doch erstaunt, dass so viele Menschen jeden Alters sich in der Schule einfanden. Nach einem kurzen Einstufungstest wurden die Kurse eingeteilt und um 9:30 Uhr saß ich mit drei anderen Schülern im Klassenzimmer zusammen mit dem Lehrer Dario. Ein Linguistikprofessor aus San Francisco, eine junge Frau aus St. Petersburg und ein deutscher Professor aus Weimar. Und ich :-). Eine interessante Klasse. Ich war schrecklich nervös und am Ende des Tages ziemlich mit meinen Nerven fertig. Ich fühlte mich überfordert mit dem Sprachniveau, das höchste an der Schule, und war auch irritiert darüber, dass sich die anderen Schüler meiner Klasse schon gut kannten. Viele belegen dort wesentlich länger als eine Woche den Sprachkurs, manche sogar mehrere Monate.

Hier nur einige Bilder von der Schule und von Dario

Die Hausaufgaben dann ließen mich schier verzweifeln und ich überlegte, ob ich am nächsten Tag nicht ein niedrigeres Level wählen sollte. Ein wenig packte mich aber der Ehrgeiz und ich nahm mir vor, es noch einen Vormittag zu versuchen. Der Kurs ging immer von 9 Uhr bis 13:20 mit einer Pause von 15 Minuten. Der Dienstag war dann schon besser und ich kam dann Tag für Tag besser mit der Sprache und den Kursteilnehmern zurecht, so dass ich schon bedauerte, dass nach 5 Tagen wieder Schluss war. Ich habe viel gelernt und viel Antrieb für weiteres Lernen mit nach Hause genommen.

Und jetzt zur Stadt Neapel, die ich keine Sekunde lang als bedrohlich oder kriminell wahrgenommen habe. Das Auffälligste für mich waren, auch im Gegensatz zu anderen italienischen Städten, die überaus freundlichen und herzlichen Menschen. Wo immer ich auch eine Frage hatte, wann immer ich Hilfe brauchte, immer fand ich Menschen, die mir freudig weiterhalfen. Ich fühlte mich herzlich aufgenommen und vor allem auch willkommen. In der Espresso-Bar, in der ich jeden Morgen meinen Café und ein cornetto vouto bestellte, entstand nach dem ersten Tag schon immer ein kurzes freundliches Gespräch und auch die anderen Gäste begegneten mir offen und mit Neugierde. Diese Gewohnheit in Italien, am Morgen seinen Café zu nehmen, einen kurzen Ratsch zu halten und dann wieder weiterzuziehen, finde ich wunderschön.

Ich habe wunderbar gegessen, manchmal alleine, oft mit anderen Schülern meines Kurses. Von der sagenhaften neapolitanischen Pizza war ich allerdings enttäuscht. Nicht so ganz mein Geschmack oder ich habe einfach nur die falsche Pizzeria erwischt. Der Teig relativ dick und nicht so cross, wie ich es bevorzuge. Köstlich fand ich die pasta genovese. Hat überhaupt nichts mit Genua zu tun, sondern ist ein original neapolitanischen Rezept. Fischer aus Genua haben wohl dieses Gericht nach Neapel gebracht. Denkbar ist auch, dass einer der vielen Neapolitaner mit dem Nachnamen „GENOVESE“ dieses Gericht, ein Fleischragout, das stundenlang schmort, in Neapel kreiert hat.

Atemberaubend schön waren auch manche U-Bahn Stationen. Metro Toledo und Universitá sind wirklich einzigartig. So etwas habe ich noch nirgends gesehen.

Überhaupt fand ich die Metro in Neapel sehr sauber und gut organisiert. 13 € habe ich für ein Wochenticket bezahlt, wirklich sehr günstig. Aber im Prinzip kann man die ganze Innenstadt auch zu Fuß erkunden. Ich bin wirklich viel gelaufen, an einem Nachmittag.. bis 15 Uhr habe ich ja immer Hausaufgaben gemacht…bin ich 16.531 Schritte gelaufen. Und ich bin nicht für meine Sportlichkeit bekannt 🙂 Entspricht ca. 10,91 km laut meinem Schrittzähler vom Smartphone. Und auch wenn ich deutlich als Touristin erkennbar war, da immer Stadtplan in der Hand, wurde ich nie blöd angemacht oder belästigt. Was wurde mir nicht alles auf den Weg gegeben an Vorsichtsmaßnahmen und anfangs war ich wirklich etwas zögerlich. Bis ich merkte, dass Neapel um keinen Deut gefährlicher ist als jede andere Großstadt in Italien und vermutlich auch in Europa. Wir in München leben sicher außergewöhnlich behütet, aber Neapel unterscheidet sich in keinster Weise von Städten wie Rom, Barcelona, Paris, Prag etc. was die Sicherheit anbelangt. Ich habe mich allerdings nur im Zentrum aufgehalten, aber das hat vollkommen gereicht. Anders als z.b. in Florenz oder Bologna ist das Zentrum groß genug, so dass man jeden Tag Neues erkunden kann.

Mit dem Zug kann man in einer Stunde auch Sorrent erkunden. Im Zug traf ich auf eine deutsche Reisegruppe, etwas ältere Semester, die sich fürchterlich aufgeregt haben mit üblen Schiimpfworten, als junge Italiener im Gang ihre Musik etwas lauter gedreht hatten. Ich habe mich fremdgeschämt und gehofft, dass mir niemand ansieht, dass ich auch Deutsche bin.

Sorrent ist zauberhaft und um diese Jahreszeit waren auch kaum Touristen unterwegs.

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Viele Restaurants am Meer hatten noch geschlossen, aber das tat meiner guten Laune keinen Abbruch, weil ich ein zauberhaftes Ristorante fand, ich dem ich vorzügliche Spaghetti Vongole gegessen habe.

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Und ein Blick auf den Vesuv durfte natürlich auch nicht fehlen

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Leider war die Woche dann viel zu schnell um. Das nächste Mal werde ich länger bleiben.

Ich habe für mich eine neue Lieblingsstadt entdeckt und ich werde mit Sicherheit wiederkommen. Ciao Napoli, Arrividerci Napoli. Ci vediamo di nuovo. Sicuramente.

 

2 Gedanken zu „Neapel, die verkannte Schönheit

  1. Ah! The beautiful Amalfi coast. We love it too. Try the pizza making course at the Fattoria Terranova in Massa Lubrense or just lunch there. Fantastic. Bonnes vacances. Much love Lynne and Simon xx

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