Nordspanien mit dem Motorrad

 

Wie jedes Jahr trieb es mich auch dieses Jahr wieder mit dem Motorrad hinaus. Dieses Jahr gleich zweimal. Einmal mit meiner Münchner Motorradgruppe ins Elsaß und das zweite Mal mit meiner irisch/deutschen Motorradgruppe nach Nordspanien. Davon erzähle ich hier.

Wie schon drei Jahre zuvor, waren auch diesmal wieder Alfie, Gordon, Murray und ich gemeinsam unterwegs. Vor drei Jahren ging es quer durch Irland, nun 10 Tage durch den spanischen Norden.

Während meine drei Iren Kollegen von Cork aus mit dem Schiff und ihren eigenen Motorrädern direkt nach Santander gelangt sind, habe ich nicht den langen Weg auf meinen eigenen zwei Rädern von München dorthin unternommen, sondern bin nach Bilbao geflogen und habe mir dort eine kleine BMW F800 gemietet. Meine Erfahrungen mit gemieteten Motorrädern sind sehr „gemischt“. Diesmal gab es aber keinerlei technische Probleme, alles war gut.

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Unsere Route führte uns von Bilbao, dort haben wir uns zu Viert motorisiert getroffen, zunächst nach Osten in Richtung spanisch/französischer Grenze. Von dort aus haben wir, nach einem kurzen Abstecher nach Frankreich, nachBiarritz, etwas Pyrenäen-Luft geschnuppert und uns dann mit etwa 50 Kilometer Abstand zur spanischen Küste nach Westen gewandt, Richtung des Nationalparks um den Pico de Europa. Letzte Wendung war dann von dort wieder nach Norden zur Küste. Dort haben sich dann unsere Wege getrennt. Ich musste zurück nach Bilbao um dort das Motorrad zurück zu geben und wieder nach München zu fliegen, die drei Iren hatten noch zwei Tage mehr und mussten dann wieder zu ihrem Schiff zurück nach Irland.

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Bilbao

Wenn ich ganz ehrlich bin, kann ich zu Bilbao nicht wirklich viel berichten. Theoretisch soll es eine  schöne Stadt sein, die größte Stadt des Baskenlands zudem, mit etwa 350.000 Einwohnern. Mit dem Umland leben hier fast eine Million Einwohner, es ist eine der bevölkerungsreichsten Regionen in ganz Spanien.

Unser Eindruck von Bilbao litt ein wenig unter Problemen und Verzögerungen bei der Übernahme meines Motorrads, schlechtem Wetter und unserer sehr begrenzten Zeit in der Stadt. So konnten wir nur einmal einen längeren Spaziergang am Fluss entlang in die Innenstadt machen, dabei das Guggenheim Museum von außen bewundern und in der sehr begrenzten Altstadt zu Abend essen.

Das Essen in Bilbao war gut, die Auswahl an Restaurants sehr begrenzt und der Rückweg durch den Bereich nördlich des Guggenheim Museum nicht gerade „heimelig“, um es mal so auszudrücken. Zum Teil hat er uns durch Straßen und zwischen Passanten geführt, bei denen wir uns einzeln wohl eher nicht so sicher gefühlt hätten.

Wie auch immer, am nächsten Morgen konnten wir nach der verspäteten Motorradübernahme endlich los Richtung San Sebastian, Richtung Osten.

San Sebastian liegt an der Bucht der Biscaya, nur 12 km von der französischen Grenze entfernt. 190.000 Menschen leben hier und nennen sich selbst ´Donostiarras´, nach dem baskischen Namen der Stadt, Donostia. In San Sebastian soll es eine hohe Dichte an sehr guten Restaurants geben, leider hatten wir keine Zeit das zu testen, denn unsere Tagesetappe endete erst an der Grenze im Ort Hondarribia. Dieser Test bleibt der Zukunft vorbehalten.

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Alfie hatte die ganze Tour detailliert vorab geplant und mit uns abgestimmt. Teil seiner Planung war auch gute Hotels für uns zu finden und diesen Job hat er hervorragend gemacht. Wir haben an all unseren Stationen in Paradores Hotels übernachtet, einer bekannten spanischen Kette, deren Hotels zum allergrößten Teil in historischen, denkmalgeschützten Gebäuden untergebracht sind und an wirklich fantastischen Plätzen stehen. So auch in Hondarribia. Die Paradores Kette ist im Staatsbesitz, nur so ist wohl Art der Gebäude und der Zugang zu diesen Lokationen zu erklären.

Oben: Bilder aus Hondarribia

Hondarribia hat in den Streitigkeiten zwischen Spanien und Frankreich einfach bedingt durch seine Lage immer eine besondere Rolle gespielt und ist vielfach zerstört und wieder aufgebaut worden. Erstaunlich, dass dennoch der zentrale Platz um die Burg mit seinen alten, schönen Häusern einigermaßen erhalten ist. Beeindruckend auch die Einschußstellen der Kanonenkugeln an der hohen Außenwand der Burg. Die Burg ist auch zugleich die Herberge des Hotels.

Von Hondarribia ging es am nächsten Tag weiter, hinüber nach Frankreich und dort sogleich ins herrliche Biarritz. Vor mehr als 35 Jahren war ich das letzte Mal hier. Wie die Zeit vergeht. Biarritz ist schön, ich kann es nicht anders sagen. Seht euch die beiden Bilder an und ihr versteht, was mir hier gefällt.

Wir hatten leider nur Zeit einen Kaffee am Meer zu trinken, die Aussicht zu genießen und dann mussten wir schon weiter, nun in die Berge hinein, in die Pyrenäen. Unser Ziel für diesen Abend war Sos del Rey Catolico und auf dem Weg dorthin haben wir mehrfach verschiedene Caminos gekreuzt. Die Caminos sind die berühmten und allseits bekannten Fußwanderwege, die von den Bergen ausgehend nach Westen führen. Der bekannte Jakobsweg ist nur einer von ihnen. Einige der Wege beginnen in Saint-Jean Pied-de-Port. Wir haben den Ort besucht, allerdings motorisiert. Aber! Wir sind auch einige Schritte zu Fuß gegangen.

Sos del Rey Católico liegt im Nordwesten der Provinz Saragossa in der autonomen Region Aragonien. Sos liegt auf einer Bergkuppe und hat gerade einmal 600 Einwohner. Gesehen haben wir davon ca. 30 bis 40. Der Rest ist unsichtbar. Der ganze Ort hat auf uns wie ausgestorben gewirkt. Aber es war natürlich auch keine Touristensaison mehr und damit alles sehr ruhig.

Sos war schon zur Römerzeit besiedelt und hat mehrfach den Besitzer gewechselt. Heute ist es im Wesentlichen eine unter Denkmalschutz stehende Museumsstadt. Wir blieben zwei Nächte und nutzten Sos als Ausgangpunkt für einen weiteren Tag in den Pyrenäen.

Oben: Bilder von Sos

Nach zwei Tagen in Sos machten wir uns auf den Weg weiter nach Westen. Unsere nächste Zwischenstation war Pamplona. Pamplona ist die Hauptstadt der autonomen Region Navarra. Knapp 200.000 Menschen leben hier. Am bekanntesten ist Pamplona hierzulande wohl durch die jährlichen Stierläufe, die ‚encierros’, bei denen morgens durch einige gesperrte Straßen von Pamplona Stiere getrieben werden. Unglücke und Verletzte sind einkalkuliert und die Stiere werden später am Abend in der Stierkampf Arena getötet. Vielleicht wissen das die Stiere und sind deshalb sehr aggressiv…

Die Innenstadt von Pamplona ist wirklich sehr schön und einladend. Ein Trip hierher ist auf jeden Fall lohnend, beim nächsten Mal vielleicht für ein langes Wochenende.

Oben: Bilder aus Pamplona

Nach etwas Bummeln durch die Innenstadt, fuhren wir weiter nach Westen, nach Logrono. Diese Stadt ist bei uns allgemein sehr wenig bekannt und das ist schade. Logrono hat rund 150.000 Einwohner und ist vor allem die Hauptstadt der Provinz Rioja. Und Rioja kennt sicher jeder, der schon mal ein Glas Rotwein getrunken hat! Leider kann ich nur wenig berichten außer einem Spaziergang in die Altstadt, gutem Kaffee und Sonnenschein. Aber auch hier gilt, jederzeit ist Logrono wieder einen Besuch wert – dann sicher mit Abendprogramm und einem oder zwei oder … Gläschen Rioja!

Oben: Bilder aus Logrono und Reinosa (einer Zwischenstation)

Und unsere letzte Tagesstation auf dieser Etappe war schließlich Sto Domingo de la Calzada, wo wir auch im hiesigen Paradores Hotel übernachteten. Sto Domingo de la Calzada liegt am Jakobsweg, rund 50 km westlich von Logrono, noch im Rioja Gebiet und ist gerade einmal 6500 Einwohner groß. Ein malerisches Städtchen. Landwirtschaft bestimmt das Örtchen und das Umland und noch einige Handwerksbetriebe. Santo Domingo hat die Stadt um 1050 gegründet. Natürlich auch auch Sto Domingo de la Calzada eine Kathedrale! Jeder Ort hat hier eine Kathedrale. Ohne Kathedrale, kein Ort 🙂 .

Go West, war auch weiterhin unser Motto. Unsere nächste Station liegt weitere rund 100km im Westen, Cervera de Pisguerga. Warum dieser Ort? Nun, erstens gibt es dort wieder ein Paradores Hotel 🙂 und zweitens liegt der Ort nahe den bekannten Nationalparks Picos de Europa und Parque natura de Fuentes Carrionas. Wir blieben zwei Nächte und haben die tolle Landschaft und Ruhe genossen. Überfüllte Parks gibt es hier (jedenfalls zu dieser Jahreszeit) nicht. Seht die Bilder.

Unsere letzte gemeinsame Etappe auf dieser Fahrt führte uns schließlich von Cervera ein Stück weiter nach Nord-Westen, nach Cangas de Onis. Für mich führte dann der Weg von dort zurück nach Bilbao, meine drei irischen Freunde hatten noch zwei weitere Tage eingeplant, ehe sie dann mit der Fähre wieder zurück nach Cork fuhren.

Unser Weg von Cervera nach Norden führte uns über Potes. Ein wunderbarer Ort.

Von Potes ein weiteres kleines Stück nach Norden und dann ein Linksschwenk und die Straße führt in ein langes Tal, immer entlang eines kleinen Flüsschens, fast direkt hinein nach Cangas. Wenn man hier fährt glaubt man nicht, dass man nicht in den Alpen ist und nur 25 km nördlich die spanische Atlantikküste liegt. Wunderbare Landschaft, kaum Verkehr, ein Blick schöner als der andere.

Tja, und dann kam der Abschied für mich. In Bilbao wartete die Rückgabe des Motorrads auf mich und dann der Rückflug nach München.

Was ist denn mein persönliches Fazit aus dieser Reise?

Erstens: Die spanische Nordküste ist eine wunderbare Region um Motorrad zu fahren. Aber nicht nur. Landschaft, Orte, Klima, Essen, … alles ist entspannend und einfach schön.

Zweitens: Wiederkommen würde Freude machen!

Und drittens: 🙂

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WIR orientieren uns nach wie vor stark an 1969!! Born to be wild 🙂

Und damit Tschüss für heute!

 

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