
Die Kalahari und die Namib, wer hat noch nicht von diesen beiden berühmten Wüsten gehört? In 2023 haben wir den Süden Namibias bereist und dabei nicht nur diese beiden außergewöhnlichen Regionen besucht, sondern auch den Fish River Canyon, Walvis Bay und Swakopmund, die Dünen von Wolwedans und Sossusvlei und noch einiges mehr. 3600 km durch faszinierende Landschaften.








Bereits vor einigen Jahren haben Edith und ich den Norden Namibias über Etosha, den Caprivi-Streifen, den Okavango, den Chobe, ein wenig Botswana und Simbabwe, Victoria Falls bereist und waren begeistert. Dieses Mal wollten wir den Süden kennenlernen. Sind vorbereitet darauf, weniger Tiere, dafür mehr Landschaft, Wüsten und Berge zu sehen.
Vorab: Eines würden wir nächstes Mal anders machen als dieses Mal, das ist die Anreise. Wir sind mit Qatar Airways über Doha nach Windhuk geflogen. Das war langwierig und nicht sonderlich bequem. Wir machen es sicher nicht wieder. 5,5 Stunden von München nach Doha und nochmal 8,5 Stunden von Doha nach Windhuk in extrem enger Bestuhlung sind kein Spaß.
Vormittags gegen 10 Uhr sind wir endlich in Windhoek aus dem Flughafenterminal und beim Autoverleiher. Wir haben uns einen robusten 4X4 bestellt. Von der letzten Reise in diese Region ist uns noch der Toyota Hilux in allerbester Erinnerung. Robust, bequem, einfach zu fahren und sehr geländegängig, auch wenn man es nur eher selten braucht. Jedenfalls im Norden. Hier im Süden sind wir vorgewarnt worden, braucht man den 4×4 öfter. Es gibt mehr Sand, noch deutlich mehr Schotter und dann ist es gut ein widerstandsfähiges Allradfahrzeug zu haben. Unser Verleiher hat für uns einen Isuzu Mu-X bereitgestellt. Im ersten Moment waren wir etwas überrascht. Wir kannten das Auto noch nicht, hatten nicht davon gehört. Aber wir haben ihm vertraut, als er uns sagte, wir würden nicht enttäuscht werden, der Isuzu sei besser als der Toyota Hilux und der Toyota Fortuner. Und er sollte recht behalten.er Isuzu ist wirklich ein super 4×4 Fahrzeug für alle Gelegenheiten. Und er sah für uns gar nicht so aus, was bestimmt an seiner roten Lackierung lag.


Gegen 12 Uhr sind wir endlich unterwegs über Windhoek auf dem Weg nach Süden, Richtung Kalkrand. Zwischendurch regnet es manchmal ganz leicht. Die Regentropfen verdampfen ehe sie Abkühlung verschaffen können. Die Temperatur liegt beständig um die 35 Grad. Unser Weg führt uns am Westrand der Kalahari entlang.
Nach dem langen Flug und der kurzen Nacht in Doha haben wir für den ersten Tag keine lange Etappe geplant, sondern bleiben in der Teufelskrallen Lodge, knapp 200km vom Flughafen nach Süden über Nacht.
Diese Lodge ist auch ein guter Startpunkt um ein wenig „Wüsten-Feeling“ aufkommen zu lassen. Etwa 3 Kilometer vom alten Farmhaus am Eingang zur Lodge, auf einem Dünenhang, sitzt eine Reihe von Zelt/Holz-Hütten. Und in einer dieser Hütten schlafen wir.
Das Gepäck vom Auto zur Hütte hoch zu schleppen ist nicht der reine Spaß, aber der Ausblick von dort oben entlohnt uns dafür. Die Steppenlandschaft des Kalahari-Ausläufers unter uns ist unser erster Eindruck von dem was wir in den nächsten gut 2 Wochen erleben werden.






Zum Abendessen müssen wir leider den ganzen Weg von der Düne zum Farmhaus zurückfahren. Wir haben schlicht noch nichts dabei und im Farmhaus wartet ein gutes Abendessen auf uns. Viel Fleisch, alles aber sehr gut und ein sehr feiner Service. Übrigens: Unser Jim Beam ist auf solchen Reisen immer dabei. Nicht, dass wir ihn hier in Namibia wirklich brauchen würden, aber er dient uns auch ein wenig als Talisman. Nach dem Zähneputzen mit Jim Beam spülen und gurgeln „schützt“ uns vor Unbilden in unserer Verdauung.
Um 9 Uhr fallen wir dann todmüde ins Bett.
Morgens gibt es eine nette Überraschung. Als ich einen Vorhang vom Fenster zur Seite ziehe, sieht mich aus vielleicht 10 Meter Entfernung eine Antilope an. Sie ist genauso überrascht wie ich, trottet aber ganz entspannt weg von unserer Hütte und ehe ich den Fotoapparat holen kann, ist sie auch schon oben auf dem Dünenkamm und zu weit entfernt.
Nachdem unser Gepäck wieder die Düne hinunter geschleppt ist und einem super Frühstück im Farmhaus brechen wir auf, weiter Richtung Süden, Richtung Keetmanshoop.
Unterwegs in Mariental versorgen wir uns in einem riesigen Supermarkt und sind jetzt auch lebensmitteltechnisch gerüstet für die weitere Fahrt. Die Temperatur steigt beständig weiter an. Mittlerweile zeigt das Thermometer dauernd um die 40 Grad an und es fühlt sich auch so an. Schatten ist gefragt und ohne Klimaanlage wäre die Fahrt nicht so entspannt.
Kurz vor Keetmanshoop machen wir einen Abstecher in den Quivertree Park und sehen uns in brütender Hitze diese seltsamen Bäume an. Der Quivertree, oder Köcherbaum, ist vor allem in Namibia und Südafrika verbreitet und wächst dort in trockenen felsigen Regionen. Seinen Namen hat er bekommen, weil früher die Buschmänner aus seinen Zweigen Köcher für ihre Pfeile gefertigt haben.





Unsere nächste Unterkunft finden wir ein gutes Stück hinter Keetmanshoop, rund 90km entlang der B4 nach Westen kurz vor Goageb. Die Alte Kalköfen Lodge. Die Lodge liegt günstig um von hier zum Fish River nach Süden, nach Lüderitz im Westen und weiter nach Sossusvlei im Norden zu kommen.
Der Name der Lodge kommt von alten Kalköfen, in denen hier, der Name sagt es, früher Kalk gebrannt wurde als Grundstoff für den Bau von Häusern. Einige Kalköfen sind noch zu sehen. Für uns ist an diesem Tag aber etwas anderes viel wichtiger hier in der Lodge: Die Klimaanlage. Denn es ist brütend heiß.
Beim Abendessen sehen wir von der Terrasse einige Impalas an einer künstlichen Wasserstelle des Lodge.












Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Süden, in Richtung des Fish River Canyon und zur Fish River Canyon Lodge, unserer nächsten Station. Dazu fahren wir zunächst ein Stück die B4 zurück bis zum Abzweig der C12 nach Süden.
A, B, C Strassen haben in Namibia eine komplett andere Bedeutung, als wir es in Deutschland vermuten würden. A Strassen sind in aller Regel gut ausgebaut und geteert. B Strassen haben normalerweise einen guten Zustand, müssen nicht immer geteert sein, sind es aber zumeist. C Strassen führen uns dann weg von deutscher geteerter Strassenqualität. Jetzt wird es ruppig, kein Teer mehr, Sand oder Schotterpisten. Und das in stark wechselnder Qualität. Noch anspruchsvoller sind die D Strassen. Hier wird es löchrig, holprig, sandig, schotterig. und die tiefste Qualität sind dann die F Strassen, die aber in aller Regel private Strassen oder vielmehr Feldwege sind als Zufahrten zu Farmen oder Lodges oder anderen Gehöften und Ansiedlungen.







Die C12 führt ziemlich direkt nach Süden. Es geht an den Kleinen Karasbergen entlang. Links des Weges liegen die Karasberge, rechts steigen die Canyon Mountains auf. Der Fish River Canyon schlängelt sich am Ostrand der Canyon Mountains nach Süden und Südwesten. Er ist fast 160km lang teils bis zu 27 km breit und bis zu 550 m tief. Der Canyon ist in den letzten 500 Millionen Jahren entstanden. Ausgefräst vom Fish River, dem mit 800 km längsten Fluss Namibias, als sich das gesamte Gelände langsam um mehrere hundert Meter hob und der Fluss sich Meter für Meter wieder in seinem Bett nach unten arbeitete. Doch zunächst ist von ihm nichts zu sehen. Kein Fluss und kein Canyon. Wir fahren nur durch karge, leicht bergige und schotterige Landschaft.
Kurz vor der winzigen Ansiedlung Gorges müssen wir von der C12 nach Westen abbiegen auf die C37, Richtung Hobas. Am Canyon Roadhouse geht es vorbei. Das Canyon Roadhouse werden wir später noch schätzen lernen. Es gibt hier Lebensmittel, ein kleines Restaurant, Souvenirs, aber vor allem Sprit. Tankstellen sind rar gesät und es gehört zur täglichen Übung sich einen Plan zu machen, wo man tanken kann. Und zum Plan A am besten auch einen Plan B, denn es wird sich zeigen, dass nicht jede verzeichnete Tankstelle auch wirklich offen ist und Sprit hat.
Ein Stück nach dem Canyon Roadhouse zweigt sich der Weg auf. Rechts führt er zum Canyon hinab, links führt er weiter nach Süden und zu unserer Lodge, der Canyon Lodge. Dorthin fahren wir zuerst.
Die Fish River Canyon Lodge scheint wie eine kleine Oase in dieser staubtrockenen Landschaft. Ein tiefer Brunnen macht es möglich. 200 m tief wenn ich mich recht erinnere. Es gibt hier grünes Gras, viele Büsche und grüne Bäume und – man glaubt es kaum – auch einen Pool mit einem herrlichen Ausblick.
Wir wohnen in Haus #2. Umzingelt von einer Unmenge von Klippschliefer. Kleinen putzigen Tieren, die nichts anderes tun als das Gras kurz zu halten, zu verdauen, wieder auszuscheiden und zwischen den Felsen zu schlafen. Dass die kleinen Klippschliefer mit so großen Tieren, wie dem Elefant und der Seekuh verwandt sind, würde man nicht vermuten. Was die Evolution doch so alles hervorbringt.











Zum Sundowner Drive fährt uns unser Ranger Simon mit seinem Toyota Landcruiser zum Fish River Canyon hinab. Und stösst mit uns mit einem „Gesundheit“ an! Er sagt, das ist hier der Trinkspruch.
Simon ist Nama, er ist sehr sympathisch und natürlich unterhält man sich, wenn man abends zusammen einige Stunden unterwegs ist. So erfahren wir ein wenig von ihm und seiner Familie. Simon und seine Familie wohnen einige Stunden entfernt von der Lodge. Er lebt und arbeitet 4 Wochen durchgehend in der Lodge und hat dann eine Woche frei bei seiner Familie. Simon hat 3 Kinder, das jüngste ist 1 Jahr alt. Das Familienleben ist also etwas anders, als wir es gewohnt sind. Simon sieht sein jüngstes Kind nur in Abschnitten und die Kinder und seine Frau sehen ihn nur im Monatsrythmus. Dennoch sagt er, er ist glücklich den Job als Ranger in der Lodge zu haben. Er wird wohl relativ gut bezahlt, die Touristen bringen Geld hierher und geben zumeist auch ein gutes Trinkgeld obendrauf. Damit kann er seine Familie gut ernähren und die Kinder vernünftig großziehen. Und Simon muss nicht körperlich hart arbeiten. Die Verpflegung in der Lodge ist sicher auch für die Angestellten gut. Er hat eine gute Ausbildung bekommen, betreut seine Touristen und fährt mit seinem Geländewagen. Kurzum, es könnte ihm schlechter gehen und Simon sagt, er schätzt das sehr.










An dieser Stelle möchte ich ein Wort der Bewunderung zu den Toyota Landcruisern der Ranger schreiben. Diese Fahrzeuge lernt man in Afrika schnell sehr zu schätzen. Sie sind schlicht unverwüstlich. Das Wort „unverwüstlich“ gewinnt hier im Süden eine wirklich sprichwörtliche Bedeutung! Wenn man zig Kilometer über die Schotterpisten rattert, einem fast die Zähne ausfallen, es scheppert und kracht, wundern wir uns jedesmal, dass diese Fahrzeuge das täglich, Jahr für Jahr aushalten. Von der Geländegängigkeit nicht zu reden. Aber die Robustheit im täglichen Betrieb ist für uns noch deutlich mehr beeindruckend. Simon sagt auf meine Frage, wie ihm sein Auto gefällt: Das ist kein Auto, es ist eine Maschine, und sie bringt mich überall hin.



Am nächsten Tag unternehmen wir einen kleinen Ausflug nach Ai-Ais um die in der Karte verzeichnete Hot Spring anzusehen. Die übliche Schotterstrasse führt etwa 50 km nach Süd-Westen. Der Tank unseres Isuzu ist noch bei knapp einem Viertel und in Ai-Ais ist eine Tankstelle eingezeichnet, also kein Problem. Nun, bei der Gelegenheit lernen wir noch vorsichtiger zu werden, als wir es ohnehin schon in unseren Etappenplanungen sind. Es gibt zwar in Ai-Ais eine Tankstelle, na sagen wir eine uralte Zapfsäule mit einem kleinen Büro. Aber es gibt keinen Diesel. Benzin gäbe es aber keinen Diesel. Auf Nachfrage schon seit über einer Woche nicht mehr, weil ein Dieseltransport ausgefallen ist und die nächste Lieferung noch nicht eingetroffen. Die nächste Tankstelle ist laut Auskunft das Canyon Roadhouse, nördlich unseres Canyon Lodges, rund 80 km entfernt.
Auch sonst ist Ai-Ais recht enttäuschend und nicht den Weg wert. Wir trinken eine Cola im Cafe am Hot Springs und ab geht es wieder nach Norden, raus aus diesem Nest ohne Diesel 🙂
Zum frühen Nachmittag treffen wir dann im Canyon Roadhouse ein und gönnen uns wunderschönen Diesel und super Burger zum späten Mittagessen. Nur unsere Bedienung Franz hat durch Unzuverlässigkeit geglänzt. Aber das kann man ab, wenn der Tank wieder voll ist.




Unsere nächste Tagesetappe führt uns vom Fish River Canyon nach Aus, nordwestlich von hier und rund 110km östlich von Lüderitz. Es gibt zwei Routen nach Aus von hier. Eine Route erst nach Südwesten an die Grenze nach Südafrika und dann über Rosh Pinan auf der C13 nach Norden und eine Route zurück über die C12 Richtung Keetmanshoop und dann auf der B4 nach Westen. Die südwestliche Route wird im Führer als schön, aber gelegentlich unpassierbar oder jedenfalls schwierig beschrieben. deshalb frage ich unseren Ranger nach dieser Route und er sagt, „er hat schon mal von einem gehört, der diese Route genommen hat“. 🙂 Das ist uns dann doch zu seltsam und unsicher und wir beschließen unseren Hobby-Abenteurer-Elan wieder einzupacken und die C12 / B4 zu fahren.

Je mehr wir nach Westen kommen, umso näher kommen wir der Namib. Rot leuchten die Dünen uns entgegen. Die Wüste ist plötzlich da.
Wir tanken in Aus (!), geben ein gutes Trinkgeld und setzen uns dann ins vielgerühmte Bahnhofshotel von Aus und essen, inkl. einem der guten Kuchenstücke, einem Strawberry Cheesecake, die in jedem Reiseführer beschrieben werden.



! Wer nun genau die Bilder oben ansieht wundert sich bestimmt über die Menschen im Wintermantel und den Schnee. Tatsächlich hat es hier im August 2012 geschneit. Und das war und ist so sensationell und einzigartig, dass es natürlich von den Einheimischen auf Fotos festgehalten wurde. Schnee am Rande der Wüste Namib!
Gleich um die Ecke von Aus, in Klein Aus, ist unsere nächste Übernachtungsstation, das Dessert Horse Inn. Das ‚Dessert‘ im Namen ist selbsterklärend, das ‚Horse‘ kommt von den wilden Pferden, die hier in der Gegend leben und die man immer wieder beobachten kann.
Spannender für uns ist allerdings unsere Unterkunft. Wir wohnen im „The Wall“, einer sensationellen Hütte, die an einem Felsen angebaut ist. Die paar Hütten um unsere herum, im Abstand von je rund 100 Metern nennt sich zusammen das Eagles Nest. Um vom Eingang des Geländes mit dem Haupthaus zum Eagles Nest zu kommen fährt man 7 km über Feldwege nach Süden in Richtung der Dünenausläufer der Namib. Weit und breit ist nichts. Besonders nachts ist das fantastisch. Kein fremdes Licht, kein fremdes Geräusch, keine anderen Menschen. Nur die Sterne am Himmel – und was für ein spektakulärer Himmel!






Für unser Frühstück haben wir uns einen großen Picknickkorb vom Haupthaus zusammenstellen lassen und es gab dazu einen beeindruckenden Blick aus ‚The Wall‘ hinaus auf die roten Dünen der Namib.


Am nächsten Morgen fahren wir von Klein Aus nach Lüderitz. Es geht geradeaus auf der B4 120 km nach Westen. Die B4 ist auch die einzige Strasse, die nach Lüderitz führt und auf der man aus Lüderitz herauskommt. Auch die ehemalige Bahnanbindung von Lüderitz nach Keetmanshoop ist schon seit langem außer Betrieb. In Lüderitz zu leben muss sich anfühlen wie auf einer aufgegeben Insel. Abseits von allem.
Ein wenig zur Geschichte von Lüderitz. (Teils aus Wikipedia entnommen. Sehr ausführlich findet sich das dort.)
Der portugiesische Seefahrer Diaz landete 1487 auf der Suche nach dem Seeweg nach Indien als erster Europäer in der Großen Bucht. Er errichtete dort ein Kreuz, aber das war es dann für lange Zeit.
Bis der Bremer Tabakhändler Adolf Lüderitz 1883 dort landete. Lüderitz hoffte dort Bodenschätze zu finden. Er handelte den Einheimischen am 1. Mai 1883 ein nach allen Richtungen fünf Meilen großes Landstück ab, um darauf einen Handelsposten zu errichten. Die Einheimischen erhielten dafür 100 Goldpfund sowie 200 Gewehre. Etwa vier Monate später, am 25. August, verkaufte Frederiks erneut Land an Lüderitz, welches diesmal ein zirka 40 Meilen langes und 20 Meilen tiefes Landstück war (seiner Ansicht nach zirka 70 × 35 Kilometer großes Gebiet). Nach Vertragsabschluss wurde dem Verkäufer klargemacht, dass es sich nicht um englische Meilen (zirka 1,6 Kilometer), sondern selbstverständlich um preußische Meilen zu 7,5 Kilometer handelte und er damit den Großteil seines Stammesgebietes von 300 × 150 Kilometer verkauft hatte. Dieser Handel ging als „Meilenschwindel“ in die Geschichte ein.
Aber es war zunächst kein lohnender Kauf. Als Lüderitz’ umfangreiche und teure Suche nach den erhofften Bodenschätzen erfolglos blieb, geriet er in wirtschaftliche Bedrängnis und musste Lüderitzland 1885 an die Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika verkaufen. Erst lange nach dem Tode von Lüderitz wurden im Jahr 1908 beim Bau einer Eisenbahnlinie Diamanten bei Lüderitz entdeckt, was zu einem kurzzeitigen Boom führte. In der Folge blühte Lüderitz kurz auf und sein Hafen wurde ein wichtiger Umschlagplatz. Das währte aber nicht lange, schon bald musste Lüderitz seine Rolle an das günstiger gelegene Swakopmund abtreten und von nun an ging es bergab. Heute gibt es dort noch eine bescheidene Fischfangindustrie und einige kleine Bootswerften.
In unserem Führer wird Lüderitz als heute nicht sehr attraktiv beschrieben. Und das ist es auch. Nett formuliert. Lüderitz sieht elend aus, im Klartext. Aber vielleicht ist das auch kein Wunder. Eine Stadt, deren beste Zeiten vorbei sind, die 120 km abseits von allem liegt. An einem Meer, das zu kalt ist um darin zu baden und auch sonst hat die Stadt nicht wirklich viel zu bieten. Die paar alten Gebäude aus der ehemaligen deutschen Zeit sind putzig, aber nicht der Reise wert. Die Menschen, die hier leben sind wohl nicht unbedingt Menschen, die sich hier eine große Zukunft erhoffen. Eher sind viele dabei, deren Zukunft nicht so großartige Aussichten birgt. Und das spürt man natürlich. Wir müssen etwas Bargeld abheben und überlegen uns gründlich welche Bank wir dazu ansteuern. Wo der Geldautomat und der Bankzugang vertrauenserweckend aussehen. Ich parke neben dem Eingang, Edith geht hinein, ich bleibe im Auto uns beobachte die Menschen, die hier auf dem Gehsteig gehen. Das mag euch jetzt etwas paranoid oder ängstlich erscheinen, aber es illustriert vielleicht, welche Atmosphäre wir empfunden haben.
Mittags haben wir einen Supermarkt gesucht an dem wir das Auto direkt vor dem Eingang parken konnten. Und selbst der Supermarkt wirkte in seinem Angebot, in der Einrichtung, im Publikum einfach irgendwie verlassen und ein wenig .. verloren. Etliche Jugendliche haben uns bereits beim Einparken angesprochen und sich angeboten gegen Geld auf unser Auto aufzupassen. Sehr vertrauenserweckend. Nach dem Einkauf haben wir den gleichen Jugendlichen dann etwas Geld gegeben, aber sofort waren dann noch einige andere da, die behauptet haben sie hätten auch aufgepasst und bräuchten auch etwas Geld.
Schräg gegenüber in einem Deli essen wir zu Mittag. Das Auto haben wir dabei im Blick. Alles in allem bleibt uns Lüderitz dabei in keiner guten Erinnerung.






Oben: Bilder von Lüderitz und von der Strasse, die in die Stadt führt.
Aus Lüderitz heraus geht es dann zurück nach Aus. Und plötzlich kommt uns das kleine Nest Aus so schön und sicher vor 🙂 . Abends essen wir im Bahnhofshotel von Aus. Und für das Frühstück in unserer Hütte am Feld am nächsten Morgen holen wir uns wieder einen Picknickkorb mit Brot, Butter, Wurst und Käse und allerlei.
Am nächsten Morgen, nach einem Frühstück mit dem fantastischsten Ausblick, den wir uns gerade vorstellen können, machen wir uns auf den Weg nach Norden, Richtung Wolwedans.
Früh geht es los Richtung Norden. Erst fahren wir ein Stück auf der C13, dann biegen wir auf die D707 ab. Diese Strecke wurde uns empfohlen wegen der tollen Landschaft. Und diese tolle Landschaft finden wir auch. Nur die Strasse ist in keinem guten Zustand. 122km fahren wir weitgehend allein durch Schotter und Sand. Teils war die Strasse so verweht, dass ich Angst hatte trotz Allradantrieb stecken zu bleiben. Während der 2 ½ Stunden dauernden Fahrt haben wir 3 oder 4 andere Autos gesehen, es wäre also nicht einfach geworden sich hier Hilfe zu holen.


So fahren wir bis Betta. Dort trifft die D707 auf die C27, eine wunderbare, schöne Schotterpiste. So verschieben sich die Sichten 🙂 . In Betta haben wir auch getankt (!) und gegessen. Und im Grunde ist Betta nicht mehr als diese Tankstelle, der kleine Laden und das Restaurant.
Von Betta sind es nochmal rund 90 km auf der C27 bis zum Abzweig zum Wolwedans Desert Dune Camp. Abzweig bedeutet: Von der wunderschönen Schotterpiste der C27 biegen wir auf einen teils üblen Feldweg, der uns rund 20 km weit in die Namib hinein führt, bis zur Versorgungsstation und der kleinen Oase des Wolwedans Resorts. Resort klingt groß. Und flächenmäßig ist Wolwedans auch riesig groß. Die Versorgungsstation ist aber ein kleines Lager, in dem die Angestellten schlafen und arbeiten, in dem gekocht wird und einige Pferde mit untergebracht sind. Hier wird unser Auto abgestellt. Von hier geht es mit unserem Führer für die nächsten Tage, Philipp, und seinem Land Rover noch etliche Kilometer weiter bis zu den Hütten für die Gäste, an einem Dünenkamm der Namib.
Maximal 16 Gäste werden hier untergebracht in 8 Hütten und einer Haupthütte für Frühstück und Abendessen. Der Blick von hier in die Landschaft ist fantastisch. Ringsum nur die Namib, Sand, einzelne karge Bäume und Sträucher und die hartgesottene Tierwelt, die hier überlebt. Abends fahren wir mit unserem Guide Philipp noch auf einen Sundowner auf einen Dünenkamm. Ein fantastischer Blick belohnt uns von hier oben.










Oben: Bilder von Wolwedans
Nach dem Frühstück holt uns Philipp ab und wir fahren mit ihm 4 Stunden lang über den Dünenkamm hinab in die große Sandebene, die „Plain“, ehemals ein großer See. Während der gemeinsamen Fahrt unterhält man sich nicht nur über den Sand der Wüste, sondern auch über das Leben in Namibia. Philipp erzählt ein wenig von sich. Er ist 39 Jahre alt, ist verheiratet, hat mit seiner Frau 2 Kinder im Alter von 6 und 3 Jahren, einen Sohn und eine Tochter. Philipp arbeitet schon lange als Guide. Er mag diese Arbeit sehr. Und er hat bei Wolwedans einen guten Arbeitgeber, der ihn wohl auch relativ gut bezahlt. Philipp arbeitet im Camp 2 Monate am Stück und hat dann 2 Wochen lang frei. Er sieht seine Frau und seine Kinder also 2 Monate lang nicht. Dennoch sagt er, er hat einen guten Job und er mag ihn.
Über sein Land ist Philipp weniger begeistert. Philipp sagt Namibia ist korrupt. Die Regierung und die oberste Schicht schöpfen alles ab. Das Volk bekommt wenig von den Einnahmen des Staates ab. Dennoch ist das Land relativ sicher und ruhig, und das ist gut.
Edith fragt, wie es für ihn ist, deutsche Touristen zu betreuen. Ob die Namibier denn nicht böse auf die Deutschen sind wegen der Kolonialvergangenheit. Philipp sagt nein, keineswegs, denn zur Kolonialzeit war einiges besser als heute. Damals waren z.B. die Schulen für die Kinder frei und es war leichter an Arbeit zu kommen. Heute müssen die Eltern für die Schule der Kinder bezahlen, Medizin ist sehr teuer, jeder Arztbesuch ist teuer und es ist schwer Arbeit zu bekommen und noch schwerer gute Arbeit zu bekommen.















Mittags essen Edith und ich ein leichtes Lunch in der großen Haupthütte. Ein guter Salat, gutes Brot mit Butter und weisses Mouse mit einer Fruchtsauce, dazu ein kühles Bier. Das ist schon reichlich bizarr hier am Dünenkamm. Aber ein einzigartiges Erlebnis. Am späteren Nachmittag Reiten wir. Na ja, wir sitzen auf braven Pferden, die hinter dem Guide auf seinem Pferd hergehen. Aber es macht Spaß. Edith sitzt auf Lucky, ich sitze auf Yonda.
Ein wenig zu Wolwedans. Ab 1981 hat Johann Brückner viele Farmen aufgekauft, die nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben waren und kurz vor der Aufgabe standen. Er hat die Farmen zusammengelegt und zum großen Wolwedans Gelände verbunden. 200.000 Hektar groß. Seit 1991 öffnet er das Wolwedans Gelände für Touristen. Es gibt verschiedene Lodges, in denen Touristen beherbergt und an die Eigenheiten der Landschaft, der Namib, aber auch der Tiere und der Menschen herangeführt werden. Wolwedans versucht auch die Menschen, vor allem die Jungend, und die Landschaft der Region zu entwickeln. Es werden Bäume gepflanzt, die Begehung und Befahrung des Geländes sehr restriktiv gehalten. Wolwedans unterstützt junge Leute aus der weiteren Region durch die Möglichkeit des Schulbesuchs und der Ausbildung und gibt ihnen Jobs. Philipp, unser Guide, hat einen davon.
Zur Vegetation: Es wächst hier nicht viel. Aber man sieht immer wieder Kameldornbäume. Die Kameldornbäume sind findig und genügsam. Sie wachsen entlang der wenigen unter der Oberfläche befindlichen kleinen Wasserlinien und dringen mit bis zu 75 Meter tiefen Pfahlwurzeln zu ihnen vor. Überlebensfähigkeit ist in der Wüste alles.
Zu den Überlebenskünstlern in der Wüste zählen auch die Oryxe, eine große Antilopenart. Durch ihre langen spitzen Hörner und ihre Größe sind sie sehr auffällige, schöne Tiere.
Oryxe halten bis zu 8 Wochen ohne Wasser durch. Sie können Wasser in verschiedenen Regionen des Körpers speichern und rationieren. Ihre Haut hat an verschiedenen Stellen verschiedene Färbungen und diese Färbungen haben verschiedene Funktionen zur Kühlung. Alles dient dem Durchhalten. Alles dient dem Überleben. Mit den Hörnern können sie tief graben. Allerdings, die Hörner wachsen nicht nach. Ein verlorenes oder abgebrochenes Horn hat für das Tier massive Folgen.
Ähnliche Überlebenskünstler gibt es hier in den überall wachsenden Buschman Gräsern. Das Buschman Gras kann bis zu 5 Jahre ohne Wasser überleben. Unter dem Sand sind die Wurzeln mit feinsten Fasern ausgestattet um auch noch den kleinsten Tropfen Wasser aufzunehmen. Wenn Tiere auf der Suche nach Feuchtigkeit das Gras bis zum Sand abfressen, treibt das Buschman Gras aus der Wurzel wieder neu aus.
Zum Abendessen treffen sich die 8-10 Gäste von Wolwedans in kleinster Runde. Und rund genauso viele Angestellte kochen für uns, bewirten uns und sie singen für uns!


Am nächsten Morgen brechen wir auf zu unserer nächsten Station, nach Sossusvlei.
Die Fahrt ist relativ kurz und die Piste ist ok. Wir übernachten hier im Sossusvlei Lodge. Das ist ein wirklicher Schock. Hier wimmelt es von Menschen. Das sind wir nicht mehr gewöhnt. In Wolwedans waren wir noch 8-10 Menschen in Summe, hier sind wohl einige hundert. Am Buffett wird gedrängelt. Willkommen zurück in der „Zivilisation“.
Am Abend fahren wir noch in den Sossusvlei Canyon.










Beim Frühstück ist deutlich weniger Gedrängel als gestern Abend. Das liegt wohl daran, dass die Touristengruppen bereits unterwegs sind zu den berühmten Dünen im Sossusvlei. Man fährt knapp 60 km vom Lodge in das Ende des Sossusvlei.
Ganz hinten im Tal müssen alle 2×4 Autos parken. Wir dürfen weiterfahren. Die Piste ist nicht mal mehr Piste, es ist einfach ein großes Sandloch. Unser Isuzu kommt gut nach hinten und bringt uns zur großen Düne ‚Big Daddy‘.
Der Aufstieg auf die Düne ist heftig. Es ist heiß und der Sand macht alles extra schwer. Die Dünen hier im Sossusvlei sind rund 5-8 Millionen Jahre alt und die meisten gelten in ihrem Kern als versteinert. Der spärliche Regen dringt in die Düne ein und verdichtet die Düne. Versteinert gewissermaßen. Und verrostet, oxydiert, daher die rote Farbe bei den besonders alten Dünen der Namib.
Edith geht auch noch den letzten Weg ins Dead Vlei. Ich erspare mir das und lasse mir von Edith berichten.

















Danach machen wir uns auf den Weg zurück zum 2×4 Parkplatz. Hier zeigen sich dann die Grenzen meines Fahrvermögens. Wir müssen einmal kurz stoppen wegen eines Vordermanns, der Schwierigkeiten hat und dieses Stoppen reicht. Ich schaffe es nicht mehr anzufahren, wir graben uns ein. Zum Glück hält der Fahrer eines großen Touristen Shuttles an. Er hat mit seinen riesigen Reifen kein Problem. Er übernimmt meinen Isuzu und mit raffinierten Lenkaktionen und Wechseln zwischen 2×4 und 4×4 bekommt er unser Auto wieder flott. Uff. Man lernt dazu und zum Glück ist es hier passiert und nicht irgendwo im Nichts.
Auf dem Rückweg zum Lodge stoppen wir noch bei Düne 45 und Düne 60.
Unser nächstes Ziel nach Sossusvlei ist Walvis Bay und Swakopmund. Unsere Route führt über Solitair, es gibt dort für uns den berühmten Apfelkuchen, und dann den Gaub Pass und den Kuiseb Canyon. 300 km Schotterstraße. Hier möchte man definitiv nicht liegen bleiben.









Walvis Bay ist eingebettet von Dünen. Schön anzusehen, viele Flamingos im Meer, aber ansonsten kalt und für uns nicht besonders aufregend.
Unser Hotel liegt in Swakopmund. Ein richtiges Hotel. Ein völlig neues Gefühl. Komfortabel, aber auch ein wenig langweilig nach unseren vorherigen Stationen. Dafür geniessen wir hier die Austern im Ocean Cellar Restaurant und generell das gute Essen. Nachts ist es erbärmlich kalt.




Oben: Am Meer in Walvis Bay und die Strasse nach Walvis Bay.
Die Küstenstraße von Swakopmund ist nett und der Altstadtbereich ist sympathisch.
Die Stadt sieht sicher aus und hat viele Shops, Banken, Restaurants, Apotheken. Abends essen wir im The Tug. Gutes Essen und ein volles Restaurant.
Das war Swakopmund.


























Oben: Eindrücke aus Swakopmund
Von hier geht aus es langsam zurück zum Ausgangspunkt dieser Reise. Wir fahren zur Hohenstein Lodge als Zwischenstation.
Der Hohenstein ist ein toller Berg. Viele Motorradfahrer sind hier. Sie gehören zu einer großen Gruppe. Alle auf Royal Enfield Himalaya Motorrädern. Als ehemaliger Royal Enfield Fahrer interessiert mich das natürlich. 9 Motorräder, 2 Begleitfahrzeuge, ca. 17-18 Personen, auch Frauen.








Der Vingerklipp und die Vingerklipp Lodge sind unsere nächste Station.
Der Vingerklipp sieht spektakulär aus. Der Vingerklipp und die umliegenden „Monument Valley“ ähnlichen ‚Berge‘ sind aus Sedimenten entstanden, die der Ugab Fluss vor rund 30 Millionen Jahren hier geschaffen hat. Sedimente in seinem Flussbett. Später hat sich die ganze Fläche in einer riesigen Dimension angehoben und der Ugab hat sich um seinen neuen Weg zu finden, in seinem eigenen Flussbett neu eingegraben. Härtere Schichten sind dabei zum Teil erhalten geblieben, das sind die „Berge“, wie auch der Vingerklipp.
Zum Abendessen reservieren wir uns einen der wenigen Plätze im Restaurant auf der Spitze des Vingerklipps. Auf dem Eagles Nest. Sowohl der Aufstieg, als auch die Aussicht von oben sind wirklich fantastisch. Zum Abendessen gibt es Kudu und Wildschwein mit Gemüse.















Unsere letzten Etappen werden kürzer. Vom Vingerklipp fahren wir zum Waterberg. Vor 6 Jahren war der Waterberg unsere erste Station von Windhoek auf dem Weg nach Etosha. Jetzt ist es unsere letzte Station vor Windhoek.







Zurück in Windhoek entspannen wir uns für eine Nacht im Hotel Henritzburg. Es gibt einen schönen Pool, gutes Essen und Klimaanlage.
Von unserem Bummel in Windhuk bleibt mir nur eines in Erinnerung: Wir sahen an einem Stand Putin T-Shirts zum Verkauf. Auf unsere Frage an den Verkäufer sagte dieser nur: Yes, we love Putin! Eine kurze Recherche hat dann ergeben woran das liegt. Namibia hat große Öl und Gasvorkommen und möchte diese verkaufen. Putin hilft ihnen dabei. Die EU dagegen sagt, das darf Namibia auf keinen Fall fördern. Stattdessen soll Namibia in Solar investieren. Diese Thema ist offensichtlich ein Politikum in Namibia.



Tja, und das war unsere Reise in und zwischen den beiden großen Wüsten Kalahari und Namib. Es bleiben uns wunderbare Eindrücke, die wir nicht vergessen werden.
Sehr herzliche Grüße an alle unsere Leser!
Edith und Hermann