Wieder Namibia – die Reise 2026 in den wilden Nordwesten und weiter an den Chobe River

Liebe Freunde, liebe Leser,

am 4. Oktober geht es wieder los, wir starten wieder einmal nach Afrika. Es ist unsere fünfte Reise ins südliche Afrika und die dritte, die auch durch Namibia führt. 2017 waren wir im Norden Namibias und sind über den Caprivi Streifen bis nach Simbabwe gekommen, 2023 waren wir im Süden zwischen den beiden Wüsten Kalahari und Namib (extrem beeindruckend), 2024 in Südafrika, im Krüger Park und über Botswana am Limpopo. Und ganz am Anfang unserer Afrikareisen gab es auch noch eine Tour durch Südafrika, über die Garden Route nach Cape Town. Dort begann alles für uns. Und nach jeder Reise ist ein Stück übrig geblieben, das wir immer noch sehen wollten, auf das wir noch neugierig waren.

Dieses Mal ist dieses Stück der Nordwesten Namibias, südlich der angolanischen Grenze. Wir starten in Windhoek und fahren über die Erongo-Berge nach Palmwag, wo viele Wüstenelefanten und Spitzmaulnashörner leben. Danach geht es weiter nach Norden, nach Opuwo und an den Grenzfluss Kunene, der bei Epupa Angola von Namibia trennt. Das sogenannte Kaokoveld gilt als eine der abgelegensten Ecken Namibias, und die Straßen dort haben den Ruf, Autos und Fahrern einiges abzuverlangen. Wir hoffen das Beste und hoffen, dass unsere Reifen tapfer durchhalten.

Danach kommt der Etosha Park, aber diesmal von Westen her. 2017 sind wir am Anderson Gate im Süden in den Park gefahren, jetzt nehmen wir das Galton Gate ganz im Westen, in dem Teil des Parks, der erst seit einigen Jahren für Selbstfahrer offen ist. Nach Etosha geht es dann weiter nach Rundu an den berühmten Fluss Okavango, wo wir zwei Lodges wiedersehen, die wir von 2017 bereits kennen, und dann durch den Caprivi Streifen nach Nkasa Lupala, mitten in ein Feuchtgebiet. Zum Schluss überqueren wir die Grenze nach Botswana und verbringen zwei Tage am Chobe River. Und weil unser Rückflug in Victoria Falls startet, bekommen wir so auch noch einen kurzen Abstecher nach Simbabwe, nach Victoria Falls, geschenkt. Die Fälle selbst kennen wir ja bereits von 2017.

Ein paar Zahlen vorweg, weil sie die Reise einordnen. Namibia ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland, hat aber nur gut drei Millionen Einwohner, das sind knapp vier Menschen pro Quadratkilometer. Seit 1990 ist es unabhängig, davor war es eine zeitlang deutsche Kolonie und danach von Südafrika verwaltet. Seit März 2025 regiert mit Netumbo Nandi-Ndaitwah die erste Frau als Präsidentin des Landes. Botswana feiert in diesen Tagen 60 Jahre Unabhängigkeit, und in Simbabwe, das wir 2017 nur wenige Wochen vor dem Sturz von Robert Mugabe besucht haben, ist seither so einiges passiert. Wir kommen unterwegs darauf zurück, wo es passt. 

Rund 2.900 Kilometer Strecke sind es im Auto, diesmal in einem Toyota Fortuner mit Allrad, einem engen Verwandten des Toyota Hilux, der uns 2024 ohne eine einzige Panne sehr zuverlässig durch Südafrika, den gesamten Krüger Park und Botswana  getragen hat. Ein guter Teil davon ist auch diesmal wieder Schotter. Wir wissen schon, was auf uns zukommt. Wir fahren links, wir fahren nicht in der Dämmerung und wir schauen öfter auf die Reifen als aufs Handy. Und beten, dass alles am Auto hält.Wir schreiben unterwegs, so oft das Netz und das WLAN es zulassen. Nicht jedes Lodge hat beides, deshalb kann es sein, dass ein Beitrag auch mal etwas später kommt. Hier ist unsere Route:

Oben: Unsere Route – links unten Windhoek, oben die Grenze zu Angola und rechts oben Kasane am Übergang nach Simbabwe.

Und nun viel Spaß beim Lesen und drückt uns die Daumen!

Eure

Edith und Hermann

Sonntag. Um 21:40 Uhr hebt in München unser Nachtflug nach Windhoek ab, nonstop, mit Discover Airlines unter Lufthansa-Flugnummer. Eine Zeitverschiebung gibt es dabei praktisch nicht: Namibia kennt keine Sommerzeit, Deutschland hat sie noch bis Ende Oktober. Wir landen um 7:35 Uhr, sind also früh da, und ohne Jetlag.

Montag. Der Hosea Kutako Airport von Windhoek liegt rund 45 Kilometer östlich der Stadt. Unser Mietwagen steht dort, aber laut Plan erst ab etwa 11:00 Uhr bereit. Bis dahin erledigen wir, was man am ersten Tag erledigen sollte. Also Geld tauschen, zur Autovermietung gehen, das Auto gründlichst prüfen – vor allem die Reifen.

Dann das Auto selbst: Ein Toyota Fortuner mit Allrad und Automatik und Klimaanlage. Wir gehen einmal komplett herum, lassen jeden Kratzer im Mietvertrag notieren und kontrollieren Reifen, Reserverad und Wagenheber. Man lernt in Afrika, auf seine Reifen zu achten, und wir haben uns das nicht wieder abgewöhnt.

Anschließend wieder Linksverkehr. Die ersten Kreisverkehre in Klein-Windhoek zeigen, ob der Kopf noch weiß, wo links ist.

Unsere erste Nacht verbringen wir im Casa Piccolo, einer kleinen Pension mit 16 Zimmern, Garten und Pool, mitten im ruhigen Klein-Windhoek. Die Stadt liegt auf rund 1.650 Metern Höhe, und die Abende sind kühler, als man bei Afrika gemeinhin denkt. Windhoek selbst kennen wir schon von 2017.

Auf dem Weg vom Flughafen lohnen sich zwei Namen. Der Flughafen ist nach Hosea Kutako benannt (1870–1970), einem Oberhäuptling der Herero, der den Krieg von 1904 überlebte und später bei den Vereinten Nationen gegen die südafrikanische Herrschaft über Namibia petitionierte. Und Klein-Windhoek, wo wir übernachten, ist der Stadtteil mit der stärksten der heißen Quellen, denen die Stadt ihr Dasein verdankt. Bei den Nama hieß der Ort ǀAi-ǁGams, „Feuerwasser“, bei den Herero Otjomuise, „Ort des Dampfes“. Um 1840 ließ sich hier der Oorlam-Kapitän Jonker Afrikaner nieder, und am 18. Oktober 1890 legte der deutsche Major Curt von François den Grundstein für die ‚Alte Feste‘, mit der das heutige Windhoek beginnt.

Das ist auch der Anfang der Landesgeschichte: ab 1884 deutsche Kolonie, ab 1904 der Krieg gegen Herero und Nama, bei dem nach Schätzungen von Historikern rund 65.000 von etwa 80.000 Herero und mindestens die Hälfte der Nama ums Leben kamen. Deutschland hat das 2021 offiziell als Völkermord bezeichnet. 1915 eroberten südafrikanische Truppen das Land und es folgten Jahrzehnte südafrikanischer Verwaltung samt Apartheid und einem langen Befreiungskampf, bis Namibia am 21. März 1990 unabhängig wurde, mit Sam Nujoma als erstem Präsidenten.

Morgen beginnt für uns der Schotter auf dem Weg nach Norden. Na ja, ein paar Kilometer Teerstrasse bleiben uns noch bis wir aus der Stadt sind. Aber dann wird es wieder holprig.

Dienstag. Es geht raus aus Windhoek, auf der A1 nach Norden bis Okahandja, dann Richtung Karibib und Omaruru. Der erste Teil ist Teer und easy. Kurz vor Omaruru aber endet die Teerstrasse. Omaruru ist ein erstaunlich nettes Städtchen. Es wirkt aufgeräumt. In einem kleinen Cafe an der Haupstrasse essen wir einen leckeren Kuchen, ehe die Weiterfahrt dann rustikaler wird. Wir biegen auf die D2315 ab, fahren durch ein Tor in das Naturschutzgebiet und haben noch rund 45 Kilometer Sandpiste vor uns. Sand lieben wir besonders… Er ist so schwer einzuschätzen. Von den gesamten 251 Kilometern des Tages sind etwa 120 Kilometer Teer, der Rest ist rustikale afrikanische Strasse. Das ist jedesmal der erste echte Test für Auto und Fahrer.

Das Ai-Aiba Lodge liegt am Fuß des Erongo-Gebirges, zwischen Granitblöcken, die aussehen, als hätte jemand sie sorgfältig aufeinandergestapelt. Der Name stammt aus dem Khoekhoegowab, und laut Lodge bedeutet er sinngemäß „der, der vorangeht und den Weg zeigt“.

Das Erongo-Massiv ist die Ruine eines Vulkans, rund 130 Millionen Jahre alt. Das Lodge gehört zu einem privaten Schutzgebiet von etwa 200.000 Hektar, in dem sich mehrere Farmer zusammengetan haben und in dem inzwischen sogar wieder Spitzmaulnashörner leben. Und dann sind da die Felsbilder: Die San haben hier vor mehr als 2.000 Jahren Jagdszenen und Tiere an die Felswände gemalt. Ein Guide fährt mit uns zu den interessantesten Stellen und zeigt uns die berühmten Felsmalereien. Sie sind 2000 bis 3000 Jahre alt und sehr beeindruckend.

Ein paar Zahlen dazu, ihr wisst, ich recherchiere gern: Das Massiv misst rund 35 Kilometer im Durchmesser und ragt gut 1.000 Meter über die Ebene, sein höchster Gipfel, der Hohenstein, kommt auf 2.319 Meter. Entstanden ist es vor etwa 137 bis 124 Millionen Jahren, als der Urkontinent Gondwana zerbrach und sich der Südatlantik öffnete. Die Erdkruste riss auf, Lava und Asche überzogen das Land, am Ende brach der Vulkan in sich zusammen, und Granitschmelze drang in die Risse. Was davon übrig ist, sind die Granitkuppeln, die wir vor dem Chalet sehen. In den Hohlräumen des Granits wachsen Kristalle, vor allem Aquamarin, schwarzer Turmalin und Fluorit, weshalb der Erongo bei Mineraliensammlern weltweit bekannt ist.

Das Volk der San, die hier vor Jahrtausenden Schutz fanden, gelten als die ältesten Bewohner des südlichen Afrikas. Der Granit bot Höhlen und Felsspalten, und in den Mulden sammelte sich Regenwasser, das bis weit in die Trockenzeit reichte. Zu den bekanntesten Bildern der Gegend gehört der „Weiße Elefant“ in der Philipp-Höhle auf der Farm Ameib. Heute leben in Namibia noch rund 30.000 San, sie gehören zu den am stärksten an den Rand gedrängten Gruppen des Landes.

Am Nachmittag besuchen wir ein kleines Living Museum der San. Es gibt hier in der Gegend noch rund 125 San. Einige von Ihnen leben immer wieder im Museum, quasi im Schichtbetrieb. Die anderen wohnen in einer Ansiedlung näher an der Stadt, wo die Kinder auch zur Schule gehen.

Mit unserem Guide Ronny machen wir einen Scenic Drive in der Umgebung des Lodges. Sein Landrover hat etwas Probleme mit der Benzinpumpe, aber er ist entspannt und sicher, dass er mit uns zurückkommt. Wir sehen unterwegs Giraffen und viele kleine Giraffenkinder. Ein ganzer Giraffen-Kindergarten. Es gibt hier im Lodge-Gebiet keine natürlichen Feinde der Giraffen, sie können sich sorgenfrei bewegen. Wir sehen auch Wildschweine und Springböcke. Keine Löwen weit und breit.

Und der erste Sundowner unserer Reise ist wichtig und gehört natürlich dazu!

Abends sitzen wir unter dem hohen Reetdach, vor uns die Berge, in der Hand Gin & Tonic. Das Ai Aiba Lodge ist fantastisch in die Landschaft eingefügt und wunderbar. Ein guter Einstieg in unsere Reise. Zwei je 80 Meter tiefe Brunnen versorgen das Lodge mit Wasser und versorgen auch die Tierwelt. Das Abendessen ist sehr gut. Übrigens: Die sortierten Essensreste werden vom Team an immer der gleichen Stelle in der Umgebung abgelegt und den Tieren überlassen. Gut für die Tiere und für das Lodge.

Mittwoch. Heute wird es ernst: 344 Kilometer Schotterstrasse, gut fünfeinhalb Stunden auf dem Papier. Unsere Vorbereitung sagt, dass die Abschnitte auf der C36, C35 und D2612 teilweise in extrem schlechtem Zustand sind. Wir planen also großzügig, fahren früh los, tanken in Uis voll und fahren nur so schnell, wie das Auto es mag. Wellblech, Schlaglöcher, Steine: es ist alles dabei, was Reifen und Nerven überhaupt nicht mögen.

Kurz vor Palmwag queren wir einen Veterinärzaun. Er hält die Maul- und Klauenseuche vom Süden fern, und die Regel lautet: Tierische und pflanzliche Produkte dürfen nicht von Nord nach Süd mitgenommen werden. Wir fahren nach Norden, das betrifft uns also heute nicht.

Der Zaun hat eine Vorgeschichte, die weit über Tierseuchen hinausgeht. 1896 wütete im südlichen Afrika die Rinderpest, und die deutsche Kolonialverwaltung zog im Jahr darauf eine Kontrolllinie durch das Land, die auf den Karten rot eingezeichnet war: die Rote Linie. Den Bau der ersten Kontrollposten überwachte Friedrich von Lindequist, dem wir in Etosha wiederbegegnen. Südlich der Linie lag die sogenannte Polizeizone, in der sich die Siedler niederließen, nördlich blieben Regionen, die die Kolonialverwaltung weit weniger im Griff hatte. Aus der Linie wurde später ein rund 1.250 Kilometer langer Doppelzaun vom Atlantik bis nach Botswana, und die südafrikanische Verwaltung nutzte ihn, um Wanderarbeiter und Vieh zu kontrollieren. Bis heute trennt er im Groben die kommerziellen Farmen im Süden, von denen viele in weißem Besitz sind, vom kommunalen Land im Norden. Über seine Zukunft wird politisch gestritten.

Unser heutiges Ziel Palmwag liegt am Uniab, einem Fluss, der die meiste Zeit des Jahres trocken ist. Sein Name soll im Damara „der, der einen mitnimmt“ bedeuten, und wer ein Trockenflussbett nach dem ersten Regen gesehen hat, versteht warum. Rund ums Lodge stehen hohe Makalani-Palmen. Wir schlafen in einem Camping2Go-Zelt, einem fertig aufgebauten Safarizelt mit eigenem Bad: Camping, ohne selbst ein Zelt aufbauen zu müssen.

Vom Lodge aus erreicht man die Palmwag-Konzession, ein Schutzgebiet von rund 5.000 Quadratkilometern. Hier leben die berühmten Wüstenelefanten. Sie sind keine eigene Art, aber über Generationen an die Trockenheit angepasst: etwas schlanker, mit längeren Beinen und großen Füßen, und sie legen auf der Suche nach Wasser weite Strecken zurück. Dazu kommen Spitzmaulnashörner. Damaraland beherbergt die größte frei lebende Population Afrikas, ein großer Teil davon lebt in dieser Konzession, geschützt auch durch die Arbeit des Save the Rhino Trust, der seit 1982 gegen Wilderei arbeitet. Die Tiere leben hier weit verstreut, das Suchen gehört dazu.

Zu den Wüstenelefanten noch ein paar Details. Ihre breiten Füße tragen sie über weichen Sand, sie sind meist nachts unterwegs, in kleineren Gruppen als ihre Verwandten anderswo, und in trockenen Flussbetten graben sie mit Füßen und Rüssel nach Wasser. Mehrere Tage ohne Trinken sind für sie kein Problem. Entscheidender als alles Körperliche ist, sagen Zoologen, ihr Gedächtnis: Die Leitkuh weiß, wo in Dürrejahren noch Wasser zu finden ist. Weltweit gibt es nur zwei Populationen wüstenangepasster Elefanten, die andere lebt in Mali. Die Spitzmaulnashörner der Gegend gehen nur alle zwei bis drei Nächte zum Wasser und fressen bevorzugt Wolfsmilchgewächse, deren Milchsaft für viele andere Tiere giftig ist. Beide waren in den 1980er Jahren stark durch Wilderei bedroht. Dass es sie hier noch gibt, verdanken sie auch Menschen wie den Fährtenlesern des Save the Rhino Trust.

Gegen 16:30 Uhr kommen wir in Palmwag an. Wir haben Camping2Go gebucht. Stellen aber fest, das wird keine große Liebe werden. Ein Lodge ist deutlich komfortabler. Zudem haben wir einen Zimmergast – eine lebendige, gut genährte Maus. Und diese Maus entdeckt die Zigarettenvorräte von Edith, im Koffer und im Rucksack verstaut. Mit Energie frisst sich die Maus durch alle Hindernisse und verspeist einige der Zigaretten. Offenbar mit Vergnügen, so sieht es jedenfalls aus.

Auch unser eigenes Abendessen ist gut. Wir gönnen also der Maus ihren Nikotinrausch.

Vor dem Abendessen machen wir mit dem Guide Paulo noch einen Scenic Drive, sehen dabei Giraffen und Springböcke und machen einen schönen Sundowner.

Freitag. Von Palmwag geht es auf der C43 nach Norden, rund 230 Kilometer, ein guter Teil davon durch Bergland. Der Joubert-Pass kurz vor Opuwo ist steil und kurvig. Ein Abstecher nach Sesfontein kostet 24 Kilometer extra, hin und zurück, bringt aber eine Tankstelle. Theoretisch. Denn die Tankstelle war geschlossen und sah so aus, als ob sie für immer geschlossen sein würde. Der ganze Ort gab ein trauriges Bild ab. Also fahren wir zügig weiter nach Opuwo.

Opuwo ist ein Herero-Wort und bedeutet sinngemäß „das Ende“ oder „bis hierher und nicht weiter“. Auf der Karte passt das: Opuwo ist die einzige größere Ortschaft weit und breit, Verwaltungssitz der Kunene-Region und Tor zum Kaokoveld. Es gibt Läden, mehrere Tankstellen (!), eine Schule. In einem Cafe am Supermarkt haben wir eine Kleinigkeit gegessen. Man spürt in Opuwo das Ende. Aber es macht dennoch einen freundlichen Eindruck.

Oben auf einem Hügel liegt das Opuwo Country Lodge mit schönem Rundumblick, das seit 2005 Gäste empfängt.

Das Kaokoveld ist fast 49.000 Quadratkilometer groß, und bis in die 1980er Jahre kamen kaum Fremde hierher. Vor der Weiterfahrt nach Epupa füllen wir Tank und Wasser noch einmal auf. Und heute Abend, mit Blick ins Tal: Gin & Tonic.

Von Opuwo gibt es nur eine Strasse nach Epupa, unserem nächsten Ziel an der angolanischen Grenze. 180 Kilometer hin, und die gleiche Strecke dann wieder zurück. Ohne Versorgung unterwegs. Deshalb ist das Tanken in Opuwo so wichtig.

In den Straßen von Opuwo fallen die vielen Herero-Frauen auf. In langen, weiten Kleidern mit einer Kopfbedeckung, die an Rinderhörner erinnert. Der Schnitt geht auf die Kleider der Missionarsfrauen im 19. Jahrhundert zurück, die die Herero übernahmen und zu ihrem eigenen Stil machten. Neben ihnen gehen Himba-Frauen in Ocker und Fell durch dieselbe Straße, zwei Traditionen mit derselben Wurzel. Auch die Politik hat das Kaokoveld geprägt: Unter südafrikanischer Verwaltung war es als „Kaokoland“ eines der Homelands, mit denen die Apartheid das Land nach Volksgruppen aufteilte, und das ist einer der Gründe, warum die Region so lange abgeschottet blieb.

Samstag. Von Opuwo sind es rund 180 Kilometer nach Norden, drei Stunden, immer weiter ins Nirgendwo bis an die angolanische Grenze.

Teils fahren wir über eine gute Schotterstrasse, teils ist die Strasse wirklich extrem wild. Man muss sehr vorsichtig fahren, besonders in den unzähligen Wasserrinnen (gerade ohne Wasser). Wir sehen sehr viele Ziegenherden und auch so manche Rinderherde. Obwohl das Land karg ist, kaum Grün bietet, sehen die Tiere nicht mager aus, auch nicht fett, aber relativ gut genährt. Sie fressen auch den allerletzten Grashalm, den sie irgendwo zwischen Sand und Steinen finden.

Von der Strasse sehen wir viel kleine Himbadörfer. Und manchmal stehen (vor allem) Himbafrauen am Strassenrand und winken um ein Spende zu bekommen. Himbamänner sieht man kaum.

Nach 3,5 Stunden kommen wir in Epupa an. Das Epupa Falls Lodge steht inmitten einer grünen Oase am Fluss. Die Lage der Lodge ist fantastisch. Wir blicken von unserem „Fenster“ aus direkt auf die ersten Fälle, keine 50 Meter entfernt. Nachteil ist: die Geräuschkulisse und die nicht vorhandene Klimaanlage bei tagsüber 35 Grad und mehr.

Edith plant unsere Malariaprophylaxe. Wir haben alles dabei dafür. Dennoch sprühen wir kräftig mit NoBite und anderen Mitteln auf die Mosquitonetze und auf uns.

Abends fahren wir mit einem Guide und seinem Landcruiser auf einen Hügel nebenan und blicken auf die Falls herab. Natürlich mit einem Gin & Tonic in der Hand 🙂

Nachts ist es extrem warm, erst gegen Morgen kommt eine leichte Abkühlung

Etwas mehr zum Kunene: Der Kunene ist der Grenzfluss zu Angola. Auf der Südseite Namibia, auf der Nordseite Angola, dazwischen der Fluss, an dessen Ufern Menschen beider Länder leben, die in den allermeisten Fällen sicher keine Pässe haben. Bei Epupa stürzt der Kunene in mehreren Stufen über eine Strecke von etwa eineinhalb Kilometern in eine Schlucht, der höchste Einzelfall misst gut 35 Meter, insgesamt verliert der Kunene hier rund 60 Höhenmeter. „Epupa“ ist ein Herero-Wort und bedeutet soviel wie „Schaum“.

Der Kunene entspringt im angolanischen Hochland bei Huambo und legt rund 1.050 Kilometer bis zum Atlantik zurück. Er ist einer der wenigen Flüsse Namibias, die das ganze Jahr über Wasser führen. Auf gut 300 Kilometern bildet er die Grenze zu Angola. Die Baobabs, die bei Epupa Falls auf den Felsen stehen, können über tausend Jahre alt werden und speichern in ihrem schwammigen Stamm Wasser für die Trockenzeit. Rund 135 Kilometer flussaufwärts, bei Ruacana, baute Südafrika in den 1970er Jahren, mitten im Unabhängigkeitskrieg, ein Kraftwerk, das bis heute einen großen Teil von Namibias mit Strom beliefert. Deshalb hängt der Wasserstand in Epupa nicht nur vom Regen in Angola ab, sondern auch sehr stark davon, wie viel Wasser das Kraftwerk gerade durchlässt.

Das Epupa Falls Lodge von Koos Verwey, der vor etwas mehr als 30 Jahren hier einen einfachen Campingplatz gründete, steht direkt am Ufer, und unser Chalet sitzt auf Stelzen mit einem fantastischen Blick auf die Fälle. Unser Strom kommt von der Sonne, über den Betten hängen Moskitonetze, gegessen wird auf dem Deck. Baden im Fluss ist absolut keine Option, der Kunene ist voller Krokodile. Für Abkühlungen gibt es aber den recht sauberen Pool.

Oben: Blick von unserer Hütte im Lodge auf die Abbruchkante des ersten Wasserfalls.

Mit einem Himba-Guide haben wir eines der vielen Himba-Dörfer nahe bei Epupa besucht. Unser Guide ist Mitte dreißig, hat die Schule besucht und danach ist er – wie viele – nicht mehr in sein Dorf zurückgekehrt. ere hat erst höflich beim Dorf nachgefragt, ob er mit uns kommen dürfte, dann sind wir mit ihm zum Dorf gegangen.

Das kleine Mädchen oben mit dem Halsschmuck ist bereits (formal) verheiratet. Erst wenn es ‚erwachsen‘ ist, wird es selbst entscheiden, ob es mit dem Bräutigam wirklich leben will, oder nicht.

Links das Tor zum Ziegenstall, einem großen abgegrenzten Bereich des Dorfes. Der Mann des Familien-Dorfes baut zuerst den Ziegenstall, erst dann baut er die Hütte für seine (erste) Frau. Im Laufe des Lebens werden daraus meist mehrere Frauen, erklärt unser Himba-Guide. das rechte Bild zeigt die Hütte der ersten Frau. links das kleine Hütchen ist ein Hühnerstall am Ziegenstall angebaut.

Links unten sitzt die erste Frau in ihrer Hütte. Rechts unten unser Himba-Guide. Ihm wurden, wie allen Himba-Männern die unteren Vorderzähne gezogen, als Zeichen seines Stammes. Oben links: Ein Kind hält eine Ziege auf und melkt kurzerhand etwas Milch in einen Becher, um seinen Durst zu stillen. Auf unsere Frage, ob es die Himba in 50 Jahren noch geben wird, sagt der Guide: Er glaubt nicht, weil alle Kinder zur Schule gehen müssen und immer mehr danach nicht mehr zurück kommen.

Montag. Von Epupa bis Opuwo fahren wir die gleiche Strecke zurück, die wir auch nach Epupa gefahren sind. 180 Kilometer, die das Auto fordern und die ständige Aufmerksamkeit erfordern. Schlaglöcher, Steine aller Größen, Sandfurten verschiedener Länge und Tiefe strapazieren am Ende nicht nur den Toyota, sondern auch den Fahrer. Aber immer wieder muss ich Toyota Komplimente machen, diese Autos halten einfach alles aus.

Ab Opuwo geht es dann ganz gepflegt erst rund 200 Kilometer auf der C41 nach Osten und dann direkt rund 135 Kilometer nach Süden,  Richtung Hobatere Lodge. Die Zufahrt zur Lodge führt 15 Kilometer durch Sand und wildes Gelände, dann sind wir endlich da.

Hobatere liegt an der Westgrenze von Etosha, auf dem Land der Khoadi/Hoas Conservancy. Das Lodge gehört den Menschen vor Ort, wurde 2015 nach einer Renovierung wieder eröffnet und liegt auf einer Konzession von knapp 9.000 Hektar, auf der Elefanten, Löwen, Leoparden und Giraffen leben. Leider haben wir kein einziges Tier gesehen.

Dass ein Lodge den Menschen vor Ort gehört, ist in Namibia kein Zufall, sondern Politik. Im Unabhängigkeitskrieg wurde auf kommunalem Land viel gewildert. Schon damals setzten Dorfälteste eigene Wildhüter ein, und nach 1990 wurde daraus ein Modell: 1996 erlaubte ein Gesetz den Gemeinden, sich zu Conservancies zusammenzuschließen, über Wildtiere und Tourismus selbst zu bestimmen und daran zu verdienen. Die ersten wurden 1998 registriert, inzwischen sind es mehr als 80, und zusammen bedecken sie gut ein Fünftel der Landesfläche. Der Gedanke ist einfach: Wer an einem Elefanten verdient, schützt ihn eher. Er geht nicht überall auf, gerade Elefanten und Farmer geraten immer wieder aneinander, aber das Modell gilt international als Vorzeigebeispiel.

Wir schlafen in einem Rondavel, einer strohgedeckten Rundhütte. Morgen früh geht es durch das Galton Gate in den westlichen Teil von Etosha, den wir noch nicht kennen.

Dienstag.  Etosha zum zweiten Mal, aber diesmal von Westen. 2017 sind wir am Anderson Gate im Süden hineingefahren, jetzt nehmen wir das Galton Gate ganz im Westen. Dieser Teil des Parks ist für Selbstfahrer erst seit einigen Jahren offen. Hier sind weniger Besucher unterwegs und weniger Tiere pro Kilometer, dafür gehören einem die, die man findet, fast allein – sagt das Internet. Unsere Fahrt durch diesen Teil von Etosha beschert uns nicht nur keine anderen Autos (das war gut), es beschert uns leider auch kein einziges Tier (das ist schade). Und die Straßen sind teils grauenhaft.

Etwas Hintergrund-Info. Das Galton-Tor hat einen Namen mit Geschichte: Es heißt nach Francis Galton, einem Cousin Charles Darwins, der 1851 zusammen mit dem schwedischen Forscher Charles John Andersson als einer der ersten Europäer die Etosha-Pfanne erreichte. Das Anderson Gate, durch das wir 2017 gefahren sind, erinnert an Andersson. Galton wurde später als Begründer der Eugenik bekannt, und deshalb steht sein Name heute in Namibia in der Kritik. Im September 2025 kündigte das Umweltministerium an, die Namen der Etosha-Tore aus der Kolonialzeit zu ändern, sobald ein entsprechendes Gesetz beschlossen ist. Im Parlament wurde vorgeschlagen, das Galton Gate in Otjovasandu Gate umzubenennen (in der Presse auch Otjovazandu geschrieben), nach einer Herero-Bezeichnung für „Ort der jungen Männer“. Auch das Von Lindequist Gate, an dem wir Etosha verlassen, trug einen kolonialen Namen, und wurde umbenannt in Namotuni-Gate.

Noch etwas, das uns beim Recherchieren aufgefallen ist: Im September 2025 hat ein Großbrand rund ein Drittel des Parks verbrannt. Das Feuer brach am 22. September im Südwesten aus, mehr als 500 Soldaten halfen beim Löschen, und als mutmaßliche Ursache gilt Holzkohleproduktion auf angrenzenden Farmen.

Okaukuejo war 1901 ein deutscher Militärposten und ist heute die Verwaltungszentrale des Parks, mit Tankstelle, Restaurant, Pool und einem Turm, der über der flachen Landschaft aufragt. Berühmt ist das beleuchtete Wasserloch direkt am Camp. Nachts kommen Spitzmaulnashörner, oft gleich mehrere, dazu Elefanten, Hyänen und gelegentlich Löwen. Die beste Zeit dafür ist Juni bis Dezember, und der Oktober liegt mittendrin. Man sitzt auf einer Bank im Halbdunkel und schaut, was kommt. Mit rund 50 anderen Touristen. Das ist wirklich auffallend. Seit unserem letzten Besuch 2017 scheint der Tourismus deutlich zugenommen zu haben.

Um die Nashörner steht es nicht nur gut. Etosha gilt als Heimat einer der größten Spitzmaulnashorn-Populationen der Welt, aber 2022 wurden in Namibia 61 Spitzmaulnashörner gewildert, 46 davon in Etosha. Zu den kleinen Besonderheiten des Parks gehören auch die Schwarznasenimpala, eine Antilope, die es nur im Nordwesten Namibias und im Südwesten Angolas gibt.

Der Etosha-Park ist älter, als man denkt. Am 22. März 1907 erklärte der deutsche Gouverneur Friedrich von Lindequist das Gebiet zum Wildschutzgebiet, damals je nach Quelle 80.000 bis 100.000 Quadratkilometer groß und nach manchen Angaben das größte der Welt. Danach wurde es Schritt für Schritt verkleinert. 1967 folgte unter südafrikanischer Verwaltung der Status als Nationalpark, und heute sind es noch 22.270 Quadratkilometer, nur noch ein Viertel bis ein Fünftel der ursprünglichen Fläche. Rund 114 Säugetierarten leben hier und etwa 340 Vogelarten.

Zur Geschichte gehören auch die Menschen, die vorher hier lebten. Die Hai||om, ein San-Volk, waren über Jahrhunderte Jäger und Sammler rund um die Pfanne. Sie durften nach 1907 zunächst bleiben, wurden aber 1954 aus dem Park vertrieben und arbeiteten danach oft als landlose Farmarbeiter. Seit 2004 haben sie eine anerkannte traditionelle Behörde, und Namibia räumt inzwischen ein, dass der Park ihre Heimat war: Seit 2007 hat der Staat mehrere Farmen neben dem Park für die Umsiedlung von Hai||om-Familien gekauft. Ob das den Verlust ausgleicht, ist umstritten.Unser Bush Chalet ist ohne Abendessen gebucht, also gibt es das im Camp-Restaurant. Das Essen ist gut, allerdings deckt sich die Speisekarte zu 100% mit den letzten 2 Lodges.

Mittwoch.  Wir durchqueren Etosha weiter von West nach Ost, rund 150 Kilometer am Südrand der Etosha-Pfanne entlang. Die Pfanne ist eine riesige weiße Fläche, auf der nichts wächst und die man sogar auf Satellitenbildern erkennt. Etosha bedeutet in der Sprache der Ovambo „großer weißer Platz“. Unterwegs liegen die Wasserlöcher wie an einer Perlenschnur, und an jedem einzelnen lohnt es sich, den Motor auszuschalten. Theoretisch! Denn an der Hauptroute entlang der Pfanne wird gebaut und wir mussten fast die gesamte Strecke auf Ausweichrouten fahren und haben von der Pfanne kaum etwas gesehen.

Zur Pfanne noch ein paar Fakten. Sie misst rund 4.800 Quadratkilometer und macht knapp ein Viertel des Parks aus. Sie ist der Rest eines riesigen Binnensees, der vor mehreren Millionen Jahren vom Kunene gespeist wurde, dem Fluss, an dem wir in Epupa waren. Dann hob sich das Land, der Kunene änderte seinen Lauf und fließt seither nach Westen zum Atlantik, und der See trocknete aus und hinterließ eine Fläche aus Salz und Ton. Nur in sehr regenreichen Jahren füllt sich die Pfanne noch mit Wasser, das oft doppelt so salzig ist wie das Meer und für Tiere nicht trinkbar. Dann aber kommen Flamingos zum Brüten, in Rekordjahren mehr als eine Million.

Oben links: eines der letzten Spitzmaulnashörner. Am Wasserloch treffen sich alle. Egal ob Nashorn oder Elefant.

Bei 37 Grad bereits am Vormittag suchen alle einen kleinen Rest von Schatten. Und wenn sie den nicht finden, dann hilft nur flach auf den Boden legen und ganz langsam atmen…

Oben: Auch Giraffen und Springböcke verstecken sich hinter Bäumen und Ästen. Und rechts oben wartet schon einer. Das ist kein Adler, sondern ein Aasgeier. Er hat Zeit und ist geduldig…

Der Tag hat eine feste Uhr: Vor Sonnenuntergang müssen wir aus dem Park heraus, sonst stehen wir vor verschlossenem Tor. Wir verlassen Etosha am Von Lindequist Gate im Osten, gleich neben dem Fort Namutoni. Das weiß getünchte Fort wurde 1899 als Militärposten der deutschen Schutztruppe gebaut und 1904 nach einem Angriff fast völlig zerstört. Heute ist ein Rastlager darum herum entstanden.

Gleich um die Ecke liegt das Onguma Lodge, in dem wir 2017 waren und an das wir die besten Erinnerungen haben.

Der Angriff vom 28. Januar 1904 wurde in der deutschen Kolonialerzählung lange als Heldengeschichte der wenigen Verteidiger überliefert. In Namibia liest man ihn völlig anders: Rund 500 Männer unter Nehale lya Mpingana, dem König der Ondonga, griffen das Fort an, zerstörten es vollständig und vertrieben die Schutztruppe. Sie wehrten sich gegen eine Kolonialmacht, die ihr Land beanspruchte, und Nehale gilt vielen als großer Widerstandskämpfer.

Unser Ziel heute ist das Mushara Bush Camp, nur wenige Kilometer hinter dem Gate. 16 Zelte aus Segeltuch, Holz und dem Kalkstein der Gegend, jedes mit einem großen Badezimmerfenster zum Busch.

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